Cambodia

Oktober 2017

28. - 30. Oktober 2017, Kratie

24. - 28. Okt. und 30. Okt. - 2. Nov. 2017, Phnom Penh

19. - 24. Oktober 2017, Kampot

Wie noch an vielen Orten in Südostasien werden zur Orientierung markante Punkte, z. B. Monumente, Statuen oder Bauwerke, genutzt. In Kampot und Kep ist es üblich, mit Hilfe solcher Orientierungspunkte eine Wegbeschreibung zu bekommen. Strassennamen und Nummern helfen nur selten weiter. Unser Hotel lag beispielsweise am Kreisel der salt field workers (Bild 1). Der Weg nach Bokor Hill führt erstmal über die alte Brücke (Bild 2). Der Weg nach Kep verläuft auf der Nationalstrasse Nr. 3 bis zur Abzweigung der white horse Statue (Bild 3). In Kep selber weiss man, dass man im Zentrum angelangt ist, wenn man an der statue of the white lady angekommen ist (Bild 4). Die welcome crab (Bild 5) hingegen bezeichnet das Ende des Zentrums bzw. den Anfang, falls man von Osten her kommt. Der Weg ins Kolonialviertel von Kampot führt am 2000er Kreisel (Bild 6) vorbei und das kommerzielle Zentrum Kampots schliesslich liegt um den Durian-Kreisel (Bild 7) herum. 

A propos Durian - Durian ist eine ursprünglich aus Indonesien und Malaysia stammende Frucht, die aber heute in ganz Südostasien angebaut wird. Andere Namen für die Frucht sind Zibetfrucht oder Stinkfrucht ... und ich kann euch nur versichern, dass sie letzteren nicht ohne Grund trägt. Ist die Schale einmal geöffnet, stinkt das Innere - jedenfalls meiner Meinung nach - ganz scheusslich. Viele essen allerdings das Fruchtfleisch gerne und ich kann mir vorstellen, dass es sogar gut schmeckt, wenn man nicht atmet. Es ist wahrscheinlich so wie mit extrareifem Rotschmier-Schimmelkäse - essen, aber nicht daran riechen! In Hotels und öffentlichen Verkehrsmitteln ist Durian of nicht erlaubt, da der Gestank nicht mehr so schnell loszuwerden ist (siehe Bild 8, Hotel in Bangkok).

Was anfänglich als drei Tage angefangen hat, wurde schliesslich zu fünf. Kampot war definitiv eines unserer Highlights ... obwohl ... ganz Kambodscha allgemein rangiert ganz oben auf der Hitliste meiner Reise. Kampot liegt im Süden des Landes am - Achtung, das wird eine Quizzfrage - Preaek Tuek Chhu River. Die Stadt und die Gegend sind bekannt für die umliegenden Pfefferplantagen und Salzfelder ... Fleur de Sel gibt's also auch aus Kambodscha. Ausserdem findet man in Kampot diverse unterstützenswerte Projekte - ein Café, das blinde und körperlich behinderte Menschen anstellt und in der Gastronomie und im Kunstbereich ausbildet; ein Kleiderfabrikant, der erstens westliche Arbeitsbedingungen bietet (faire Bezahlung, saubere und sichere Arbeitsplätze, Mutterschaftsurlaub und Krankenversicherung und geregelte Pausen mit bezahltem Mittagessen - alles nicht selbstverständlich, sondern die Ausnahme) und zweitens Kleidung von hoher Qualität aus Reststoffen von anderen Grosstextilfabriken fertigt. Ich habe ein T-Shirt und eine bequeme Hose für 32 Dollar gekauft und dafür die Arbeiter/-innen und die Räumlichkeiten mit eigenen Augen gesehen; ein Restaurant und Souvenirgeschäft, das ebenfalls behinderte Menschen einstellt und unterstützt und eine eigene Ökofarm betreibt. Überhaupt gibt es tolle Restaurants, Cafés und Bars in Kampot und wir haben uns kulinarisch ausgetobt. Für die ersten drei Tage haben wir uns einen Roller gemietet und die Gegend um Kampot erkundet. Am ersten Tag ging es auf den Bokor Hill, 37 km entfernt und nur über eine Haarnadelkurvenstrasse zu erreichen. An Tag 2 sind wir nach Kep gefahren, ein kleiner Ort am Meer mit Nationalpark und Krabbenmarkt. Von da aus ging es weiter auf die erste Pfefferplantage. Der Pfefferanbau in der Region Kampot/Kep hatte eine grosse und erfolgreiche Tradition und Weltköche, die was auf sich hielten, haben nur Kampot-Pfeffer verwendet. Das ging bis die Roten Khmer die Plantagen zerstörten, die Besitzer und die Arbeiter zu Zwangsarbeit internierten und dadurch das gesamte Wissen um den Pfefferanbau verloren ging. Erst in den späten 90ern machten sich einige Europäer daran, Land zu erwerben und neue Plantagen zu errichten. Seit dem Jahr 2000 ist Kampot- und Keppfeffer wieder auf den Markt erhältlich. Was ist so besonders an diesem Pfeffer, fragt ihr euch? Abgesehen von der Geschichte ist es die Anbauart - Kampot-Pfeffer wird ausschliesslich biologisch angebaut, keine Pestizide, keine chemischen Dünger (nur Kuhdung und Fledermausscheisse, wie es unser Guide auf gut Deutsch ausdrückte - damit waren seine Deutschkenntnisse aber auch schon am Ende. Die wunderbare Redewendung "Geh hin, wo der Pfeffer wächst" will er aber noch üben). Gegen lästige Parasiten und Insekten verwenden sie eine Mischung aus drei Pflanzen (Niembaum, Chinin und eine weitere, die ich vergessen habe ...), die mit Wasser gemischt eine schrecklich stinkende und bittere Brühe ergeben, die den Parasiten nicht schmeckt. 
Am nächsten Tag fuhren wir auf eine weitere Plantage, die den originellen Namen "La Plantation" trägt. Dort haben wir uns neben dem Pfefferanbau auch den Anbau von Kurkuma (gelbes Pulver, das in Currys Verwendung findet) erklärt. Was diese Plantage aber noch bei weitem mehr auszeichnet als die biologische Anbauart, ist das soziale Engagement der Besitzer. Die Kinder der Arbeiter können zur Schule gehen, da die Plantage die lokale Schule finanziell unterstützt und so ein Ganztagsunterricht ermöglicht wird (Lehrer würden sonst nur halbtags unterrichten und die Kinder wären unbeaufsichtigt). Ausserdem schützt und unterstützt die Plantage das kulturelle Erbe der Khmer, indem sie traditionelle Gebäude erhält oder neu errichtet. 
Auf dem Heimweg sind wir knapp einem Gewitter entkommen, das uns aber auf dem ganzen Weg dicht auf den Fersen war ... der Regen hat uns aber dann doch nicht völlig verschont und wir sind erstmal nass geworden, als wir zu Bart aufs Boot gestiegen sind (siehe Fotos).

13. - 18. Oktober 2017, Koh Rong

Von Battambang sind wir in einer odyseeähnlichen Fahrt über Phnom Penh nach Sihanoukville, dem Ausgangspunkt für die vorgelagerten Inseln, gefahren. Sihanoukville liegt im Südwesten des Landes auf einer Halbinsel im Golf von Thailand. Die Stadt selber, benannt nach König Sihanouk, dem Vater des jetzigen Königs, ist kein Ort, an dem man sich gerne länger aufhält ... eine Mischung aus Rotlichtviertel und Ballermann, jedenfalls der Teil, den wir gesehen haben. Mit der Island Speed Ferry ist man aber in ca. einer Stunde auf den traumhaften Inseln Koh Rong oder Koh Rong Samloem, beide noch relativ unbelastet vom Massentourismus. Die meisten Unterkünfte sind daher auch im Bungalowstil mit mehr oder weniger Komfort ... aber so lange es eine Hängematte gibt, ist alles paletti ;). Fünf Tage Strand und Meer und Inselleben war genau, was wir brauchten. Viel von der Insel haben wir zwar nicht gesehen, gerade Mal die ca. 1.5 km Strandabschnitt in unserer Bucht ... Tja, was kann ich sagen, mehr als das hat es zum Erholen nicht gebraucht.  

10. - 12. Oktober 2017, Battambang

Von Siem Reap aus ging es nach Battambang, eine Stadt im Nordwesten Kambodschas und am Sankae River gelegen. Es ist die zweitgrösste Stadt Kambodschas mit ca. 200'000 Einwohnern, aber bei weitem viel kleiner als die Hauptstadt Phnom Penh mit ca. 1.5 Mio. Einwohnern. Battambang ist berühmt für seine Kolonialbauten und seine Kunstszene. Viele aus dem Exil Zurückkehrende lassen sich in Battambang nieder und auch chinesische Investoren (die sind zwar auch sonst überall) haben ihre Augen auf die Stadt geworfen. Am ersten Tag haben wir die kleine und übersichtliche Innenstadt erkundet und auf der Jagd nach Kolonialhäusern viele bunte Fotos geschossen. Am zweiten Tag haben wir für einen halben Tag ein Tuk Tuk gemietet - Mr. Lizys Tuk Tuk Touren. Mr. Lizy haben wir gleich nach der Ankunft kennengelernt, als uns - wie immer bei den Busstationen - eine Horde Tuk-Tuk-Fahrer ihren Service anbieten wollten. Mr. Lizy war hervorragend organisiert und hatte ein laminiertes Schild dabei, auf dem praktisch alle Hotels und Unterkünfte der Stadt aufgeführt waren, so dass man nur noch auf das richtige zeigen musste, ohne lange zu erklären wohin und an welche Adresse man will. Wenn ich mich recht erinnere, war die Fahrt unverschämt günstig - 1 Dollar? - und als er uns beim Hotel abgeliefert hatte, gab er uns seine Visitenkarte, falls wir eine Tour buchen wollten. Sein gutes Englisch und seine unaufdringliche Art haben ihm dann auch wirklich für den nächsten Tag einen Auftrag eingebracht und er hat uns durch die umliegenden Dörfer und zu einem "Weingut" gefahren. Dort gab es vier Getränke zu degustieren ... Ingwersaft, Traubensaft, Branntwein und etwas, das Rotwein sein sollte. Ich meine das überhaupt nicht böse, im Gegenteil, es ist ein unterstützenswertes Projekt, dass der Gemeinschaft Sinn und Arbeitsplätze verschafft. Es ist das einzige Weingut in ganz Kambodscha und es wird nur eine rote und eine weisse Traubensorte angebaut. Der Ingwer- und Traubensaft haben sehr gut geschmeckt, den Branntwein (wie Cognac) hat mir Claudia abgenommen, daher nehme ich an, er hat auch geschmeckt, aber den Rotwein würden wir wahrscheinlich nicht mal zum Kochen verwenden. Ich sage nur Essig. Die Fahrt durch die kleinen Dörfer und dem Fluss entlang haben das sehr einfache Leben der Landbevölkerung gezeigt und ich denke, Claudia war etwas betroffen über die ärmlichen Verhältnisse. Ich bin schon "abgehärtet", Myanmar hat mich gut vorbereitet. 

5. - 10. Oktober 2017, Siem Reap und die Tempel von Angkor

Am 5. Oktober - ich kann nicht glaube, dass schon Oktober ist - sind wir von Bangkok nach Siem Reap in Kambodscha gefahren. Wir haben ein gutes Busunternehmen gebucht und die Grenzformalitäten waren ein Kinderspiel - aussteigen, aus Thailand ausreisen, durchs Niemandsland nach Kambodscha gehen, Pass kontrollieren und stempeln lassen, einsteigen, weiterfahren. Das erste, was uns in Siem Reap begegnet ist, waren überschwemmte Strassen … wer hatte nochmal die Schnappsidee, in der Regenzeit nach Kambodscha zu reisen …? Aber grundsätzlich hatten wir bis jetzt Glück und das Wasser von oben hat sich in Grenzen gehalten. Jedenfalls haben wir uns nicht davon abhalten lassen, Angkor in vollen Zügen zu besichtigen. Ich liebe ja alte Gemäuer und Ruinen, aber was Angkor für mich so faszinierend macht, ist die Lage der Tempel in zum Teil dichten Wald - ganz anders als Bagan, das eher in einer Busch- und Steppenlandschaft liegt. Am ersten Tag haben wir Banteay Kdei, Sra Srang, Ta Phrom und Baphuon besichtigt. Wir waren dafür mit einem E-Bike unterwegs und die Rollenverteilung war glücklicherweise auch klar: Claudia fährt, ich navigiere. Am 7. Oktober, Tag 2, hätten wir gerne eine Sonnenaufgang über Angkor Wat gesehen … das Wetter hatte aber andere Pläne und es war so bewölkt, dass weder Sonne noch Verfärbung am Himmel zu sehen waren. Und dann hat es angefangen zu regnen. Und praktisch nicht mehr aufgehört, oder nur sporadisch. Zum Glück waren wir an diesem Tag mit einem Tuk Tuk unterwegs, d.h. der Transport von Tempel zu Tempel war jeweils ziemlich trocken. Nach Angkor Wat, dem Wahrzeichen Angkors, ging es zu Angkor Thom, Preah Khan, Jayatataka, East Mebon und Pre Rup. An Tag 3 wollten wir eigentlich erst eine Tempelpause einlegen, aber da gutes Wetter vorausgesagt war, haben wir uns entschieden, einen 37 km nordwestlich gelegenen Tempel zu besuchen und auf dem Rückweg das Landmine Museum. Dazu haben wir uns ein Motorbike geliehen … was sich im Nachhinein als nicht die beste Idee herausgestellt hat … 10 km vor dem Ziel hatten wir unseren ersten platten Reifen. Glück im Unglück: der nächste Mechaniker war nur ca. 200 Meter entfernt die Strasse entlang. Für 5 Dollar haben wir uns also einen neuen Schlauch einsetzen lassen, haben aber dabei gesehen, dass der Pneu ebenfalls total zerschlissen war - ein Ersatzpneu war aber nicht zu kriegen. Um es kurz zu machen, wir sind schliesslich heil wieder nach Siem Reap zurückgekommen, nach nochmaligen Stops bei zwei weiteren Mechanikern, die aber beide auch keinen Ersatzpneu hatten. Der erste hat nochmals Luft rausgelassen, weil durch die Hitze die Risse auseinandergegangen sind … und wir sind dann mit ca. 25 km/h zurückgeholpert ;).

Kambodscha ist wie Myanmar ein Land mit einer schrecklichen Geschichte, die auch heute noch allgegenwärtig ist. Zwischen 1975 und 1979 war das Land unter der Herrschaft der Roten Khmer, auf deren Kosten ca. 2'000'000 Menschenleben gehen; sie verübten an ihrem eigenen Volk einen Genozid, der einen Viertel der Bevölkerung auslöschte. Wer eine Brille trug oder eine Fremdsprache sprach, wurde hingerichtet. Andere verhungerten oder starben an Krankheiten, die sich aufgrund der schlimmen Bedingungen ausbreiteten. 1979 marschierte die vietnamesische Armee ein und beendete die Herrschart der Roten Khmer. Leider beendete das nur die Schreckensherrschaft, ging aber in einen Jahrzehnte langen Bürgerkrieg über, der erst in den späten 90ern beigelegt wurde. Überbleibsel aus diesen Konfliktjahren, aber auch noch aus Vietnamkriegszeiten, sind Landminen und nicht explodierte Sprengsätze und Bomben, die das Land übersähen. Nicht selten sieht man Menschen mit fehlenden Gliedmassen, weil sie in ihrem täglichen Umfeld (rund ums Haus, auf dem Feld, auf dem Weg zur Schule) auf eine Mine oder einen Sprengsatz gestossen sind, der unter ihnen explodierte. Das "Landmine Museum", gegründet von Aki Ra, einem ehemaligen Kindersoldaten für die Roten Khmer und später Soldat für die vietnamesische Armee, zeigt eindrücklich die Geschichte und heutige Situation der UXO (unexplodedordnance = Blindgänger) und wie sie geräumt werden. Es gibt in Kambodscha mittlerweile mehrere Nonprofit-Organisationen, die sich der Räumung und Beseitigung von Minen und Sprengsätzen widmen. Prinzessin Diana war aktiv involviert und unterstützte die britische Organissation Halo. Die Schweiz übrigens steht an sechster Stelle aller Länder, die Kambodscha jährlich finanziell bei diesem wichtigen Unterfangen unterstützen; für die Jahre 2011-2015 wurden $ 92 Millionen bereitgestellt. Falls sich jemand mal fragt, wo denn Steuergelder indirekt sonst noch hinfliessen. In diesem Zusammenhang: die Schweizer Eidgenossenschaft finanziert übrigens auch das Projekt in Myanmar, bei dem ich von Januar bis April und von August bis September unterrichtet habe.