Indonesien

19. Juli 2017

Ich bin zwar immer noch in KL bzw. am Flughafen, aber mir ist noch eine Anektote eingefallen, die ich mit euch teilen wollte. Aber zuerst einmal, ich habe herrlich geschlafen in einem riesigen Bett mit einem "richtigen" Duvet und "richtigen" Federpfulmen. Ja, es ist schwierig, den Materialismus in sich loszulassen ... Gestern war ich auch noch im Pool, von dem man wunderbar beleuchtet den Tower von Klia (Flughafen KL, Terminal 1) sieht. Er schwebt sozusagen direkt über einem, wenn man sich auf dem Rücken im Wasser treiben lässt. 
Aber die Story, die ich euch erzählen will, liegt schon ein Weilchen zurück und zwar war es am Tag meiner Abreise aus Ubud nach Lovina. Wie bereits erwähnt, hat es in diesen Tagen nur geregnet und als ich auf meinen Shuttle-Bus gewartet habe, hat's ebenfalls so richtig geschüttet. Der Shuttle sollte mich um 9.30 Uhr abholen ... ich habe bis um 10.10 Uhr gewartet, bis es mir zu blöd wurde. Ich wusste nicht, hat er einfach nur Verspätung oder kommt er vielleicht gar nicht mehr. Und ich hatte keine Möglichkeit, das herauszufinden. Ich wusste, es gibt noch einen Shuttle um 11.00 Uhr, also bin ich los, in der Hoffnung, dass ich noch einen Platz kriege. Diesmal habe ich aber bei einem anderen Anbieter gebucht! Der konnte zum Glück noch einen Platz ergattern und ich konnte da auch im Trockenen warten. Dieser zweite Anbieter hatte einen kleinen Hund, so ein nervöses Vieh, das konstant mit allen Vieren gleichzeitig in die Luft ist ... zum Schreien komisch. Was aber nicht "komisch" war, war, als der kleine Kläffer sein Bein heben wollte, um an meine grosse Tasche zu pinkeln!!! Ich hab ihn im letzten Moment durch einen Klaps mit meinem Schirm wegschieben können, so dass er nur den Boden getroffen hat. Unverschämtheit, das! Der zweite Shuttle hat mich dann tatsächlich aufgeladen und bei strömendem Regen ging die Fahrt nach Lovina (wo ich ja hinwollte, um dem Regen zu entfliehen). Dort angekommen, hat man uns erstmal bei einem Touranbieter abgeladen (der uns natürlich irgendwas aufschwatzen wollte) und es hat sintflutartig geregnet. Es war also sozusagen ein verschiffter Tag in jeder Beziehung. ;-);-)

13. - 18. Juli 2017, Benoa Beach

Gerade sitze ich in einem schicken Hotel am Flughafen von Kuala Lumpur. Wie, wo, was fragt ihr euch jetzt vielleicht. Ich bin heute von Bali nach KL geflogen und werde morgen zurück - nach Jakarta - fliegen, wo ich dann Petra treffe. Indonesiens reguläre Touristenvisa sind nur 30 Tage gültig und somit musste ich irgendwohin ausreisen, damit ich nochmals für 30 Tage kommen darf. Das günstigste war Kuala Lumpur ... wobei ... dieses Hotel war bei meiner Berechnung nicht einkalkuliert, haha. Es übersteigt ganz klar mein Tagesbudget, aber ich geniesse es um so mehr. Es ist so ein richtiges Hotel mit drei Restaurants, Bar, Lobby mit Live-Musik, Garten mir Swimmingpool, Spa, Fitnesscenter (nicht dass ich das benutzen würde), etc., etc. Und das Zimmer und Badezimmer sind ein Traum - wusste gar nicht mehr, dass es das gibt, haha. Versteht das jetzt nicht falsch, ich hatte bisher fast immer tolle Zimmer und im Allgemeinen viel Glück bei der Wahl meiner Unterkünfte, aber   mal wieder ein Zimmer, in dem alles ganz ist, die sanitären Anlagen funktionieren und die Bettwäsche und die Handtücher auch nach frisch gewaschen riechen, das ist ganz ungewohnt. 
Ich habe die letzten paar Tage damit verbracht, für den dreiwöchigen Java-Trip zu recherchieren. Das Guesthouse war perfekt mit schönem Garten und Pool und die Mitarbeiter waren alle so nett und herzlich. Ansonsten war Benoa Beach eher enttäuschend; der nächste Strand ist vor allem durch Wassersport dominiert, d.h. alles voller Jet-Skis und Motorboote, die alles Mögliche hinter sich herziehen - mit Leuten drauf. Eine schreckliche Hektik ist das und laut und es stinkt die ganze Zeit nach Benzin. Da ich mir ja kein Strandhotel leisten kann, war ich davon verschont und konnte die Ruhe auf meinem Balkönchen geniessen. Benoa hat ausser Wassersport nicht viel - nein, eigentlich gar nichts - zu bieten. Ich hab ein paar Sachen recherchiert, z. B. gibt es eine Schidkröten-Station. Als ich die Bewertungen dazu auf Google gelesen habe, waren erschreckenderweise viele Kommentare sehr negativ, weshalb ich nicht hingegangen bin. Was dabei aber interessant war, ist, dass alle "westlichen Touristen" die erschreckenden Tierhaltungsverhältnisse und den Umgang mit den Tieren beanstandet haben. Alle Kommentare, die in Indonesisch waren (und google-übersetzt), waren hingegen positiv. Leider ist es keine Seltenheit, dass Tierschutz und -haltung oder Umweltfragen in Südostasien noch völlig anders wahrgenommen werden. Es ist vielen schlicht nicht bewusst, dass die Plastikflasche, die man in den Fluss schmeisst, nicht von alleine wieder weggeht. Der Strand von Seminyak in Bali ist regelmässig während und nach der Regenzeit mit Müll überhäuft - alles von der Windel bis zum Haushaltsmüll, - weil die Anwohner in den höher gelegenen Dörfern ihren Müll in die Bäche werfen, die den Müll dann durch das Hochwasser der Regenfälle ins Meer und an den Strand spülen. Die Frage, was mit dem Müll passiert, ist einerlei, denn er ist ja nicht mehr da.

11. Juli 2017, Ubud

Ich sitze, wie könnte es anders sein, in einem ganz süssen, kleinen Café und nutze das sehr gute WLAN. Meine ersten Tage in Ubud haben ich in einer hübschen Bungalowanlage verbracht, wo ich auch Frederica, die andere Lehrerin aus Myanmar, getroffen habe. Wir haben uns ausgiebig auf den neusten Stand gebracht (schliesslich haben wir 4 Monate auf engstem Raum und ohne Privatsphäre zusammengelebt, das verbindet ;-)) und am folgenden Tag einen Tgesausflug zusammen unternommen (siehe Fotos vom 6. Juli). Sie ist dann weiter auf die Gili Islands gereist und ich bin noch in Ubud geblieben. Aber dieser Regen! Es war unmöglich, etwas zu unternehmen. Es hat pausenlos geregnet und das nicht gerade sanft. Ich wäre gern noch in Ubud geblieben, aber so hat es keinen Spass gemacht;-). Also ab an die Küste. Die nächsten paar Tage soll es besser sein und heute hat es nur ganz kurz geregnet, ist aber sonst "nur" wolkig. Gerade zeigt sich auch der blaue Himmel. Ubud ist das künstlerische Zentrum Balis; Dichter, Autoren und Maler lassen sich hier inspirieren. Und auch Yoga wird hier ganz gross geschrieben. Obwohl sehr touristisch, Ubud hat etwas Gelassenes, Hippiehaftes und ganz viele kleine Cafés. Ich bin nicht am gleichen Ort abgestiegen, weil es etwas schwierig zu erreichen war - vor allem bei Regen. Mein jetziges Bungalow ist aber auch perfekt und sehr zentral. 
Bild 1: Sicht auf Pool vom privaten Terrässchen im 1. Bungalow in Ubud; Bild 2: Freilichtbadezimmer in Lovina; Bild 3: Zimmer im 2. Bungalow in Ubud.

9. - 11. Juli 2017, Lovina, Bali

Eben gerade bin ich aus Lovina, das im Norden Balis an der Küste liegt, zurückgekommen. Ich hatte ein nettes Bungalow 50 Meter vom schwarzen Sandstrand entfernt. Die Highlights von Lovina waren das "Freiluftbadezimmer" im Bungalow und die Bootstour zu Sonnenaufgang, um Delfine zu sehen. Der Sonnenaufgang war etwas vom Schönsten, was ich je gesehen habe (vielleicht sollte man öfter mal früh aufstehen ...?). Die Farben und die Wolken waren einfach nur traumhaft. Die lieben Delfine haben etwas auf sich warten lassen bzw. haben sich irgendwo versteck. Zum Glück hatten sie dann irgendwann doch Erbarmen mit den Touristen und haben sich dazu niedergelassen, ein bisschen zwischen den Booten zu schwimmen und sogar ein paar "Kunststücke" vorzuführen. Nein, ganz ernst jetzt, das war sensationell  - so wunderschön, diese Tiere in der freien Natur zu sehen. Eigentlich bin ich ja nur aus Ubud geflohen, weil es nicht mehr aufgehört hat zu regnen und ich dachte, an der Küste sei es sicher besser. Das war auch so, das Wetter war gut, aber dass ich so eine eindrückliches Erlebnis haben werde, war nicht geplant. Aber das ist ja meistens so, die besten Dinge sind ungeplant undentschädigen für alles, was nicht so toll läuft - wie z. B. der Regen oder der Verkehr auf Bali. "Das goht uf kei Chuehut" wie schlecht das Verkehrsnetz und die Transportmöglichkeiten sind. Die Fahrtvon Seminyak nach Ubud hat etwas mehr als zwei Stunden gedauert. Für 24 km. Per Auto, nicht per Bus oder so. Ich frag mich, ob ich zu Fuss schneller gewesen wäre ... OK, vielleicht nicht, aber ... Von Ubud nach Lovina hat es ca. 3.5 Stunden gedauert und das für 50 km.
Ich hatte mal überlegt, von Lovina nach Amed weiterzureisen, das wäre im Osten Balis und soll sehr schön sein. Von Lovina nach Amed sind es 85 km. Ich hab mich dann gefragt, wie lange diese Fahrt wohl dauern würde und entschlossen, es nicht herausfinden zu wollen. Da ich Ubud nur sintflutartig erlebt habe, und längst nicht alles ausgekostet habe, was das Künstlerstädtchen zu bieten hat, bin ich heute zurück nach Ubud gefahren. Hat diesmal nur zwei Stunden gedauert, dank des geringen Verkehrs, dafür hat uns der Fahrer anstatt im Zentrum Ubuds, wie er angekündigt hatte, mehr als einen Kilometer südlich des Zentrums abgesetzt. So eine Frechheit! Ihr denkt vielleicht jetzt, ich überreagiere, aber so unfreundliche Manieren habe ich bisher nirgends erlebt. Natürlich gibt es überall nette und unfreundliche Leute, aber irgendwie haben es die Balinesen noch nicht auf meine gute Seite geschafft. Was für mich völlig klar ist, ist, dass ein Land oder Ort mit den Menschen steht oder fällt. Es ist völlig egal, wo man ist und welches Land man bereist, - wenn die Menschen freundlich sind, ist alles andere egal. Myanmar mit all seinen zivilisationstechnischen Mängeln, steht ganz oben auf der Hit-Liste und das hauptsächlich wegen der Leute. Alle schwärmen immer so von Bali, aber ich habe irgendwie das "richtige Bali" noch nicht gefunden. Ja, ich habe viele nette Leute getroffen, aber ebensoviele, auf deren Bekanntschaft ich hätte verzichten können. Was hier auch wirklich unmöglich ist, sind die Strassenhändler und Souvenirverkäufer. Ja, ich weiss, die müssen alle Geld verdienen, um zu überleben, aber die Art, wie sie das angehen, ist so unsympathisch, dass ich schon eine richtige Allergie gegen diese "Art" entwickelt habe. Die Verkäufer sind aggressiv und wenn man sagt "nein, danke, ich möchte mir nichts ansehen", dann werden sie fast böse und schimpfen mit dem Kollegen vom nächsten Geschäft (vielleicht sagen sie auch "He, lass uns Kaffee trinken gehen", aber es klingst dem Ton nach zu urteilen nicht nach einer Nettigkeit). Das war nicht mal in Thailand, einem sehr touristischen Land, so. Seit einer Weile schon mache ich es nur noch so, dass ich dort was kaufe, wo man mich in Ruhe schauen lässt, ohne mich zu bedrängen. Pech für alle, die mir ihre Sachen - im wörtlichen Sinne - ins Gesicht strecken müssen oder mich am Arm festzuhalten versuchen. In diesem Zusammenhang kommt auch die Frage der Preise auf, für die die Verkäufer ihre Sachen "verscherbeln". Als Frederica und ich am letzten Tempel unserer Tour waren, haben wir Angebote für Sarongs bekommen, die schon nicht mehr geheuer sind. Das ging so: "You want a sarong? One dollar." - "No, thank you." - "Ok, two sarongs for one dollar!" Zwei Sarongs, die Qualität lässt sich schlecht beurteilen, aber sie waren schön bedruckt, für einen Dollar???!!! Da haben wir uns echt die Frage gestellt, unter welchen Bedingungen die hergestellt werden oder von wem. Kinderarbeit? Sklavenarbeit? Nein, im Ernst, sowas kann ich nicht unterstützen, auch wenn ich nicht weiss, was dahinter steckt. Ich bin immer dafür, faire Preise zu bezahlen, jemanden aufs Blut runterzuhandeln, nur weil man es könnte, liegt mir gar nicht. Und ja, seien wir ehrlich: Verglichen mit den meisten Menschen, deren Weg ich kreuze, bin ich sehr reich. 

1. - 4. Juli 2017, Seminyak, Bali

Zur allgemeinen Orientierung: Seminyak ist ein Stadtteil von Denpasar, der Hauptstadt Balis, und das ist, wo ich gerade bin bzw. wo mein Baliaufenthalt angefangen hat. Was schon mal klar ist, ist die Tatsache, dass Denpasar und die ganze Südspitze Balis wahnsinnig touristisch ist und der Verkehr ist ein Albtraum. Der Strand ist eine einzige Partyzone und die Preise sind natürlich auch dem Massentourismus angepasst. Aber alles hat seine Vor- und Nachteile. Es gibt ganz viele süsse Cafés, in denen man Stunden verbringen könnte. Und verhungern muss man auch nicht; das Essen ist sensationell! Was mich wirklich erstaunt, ist die Freundlichkeit der Balinesen in Anbetracht der Touristenmassen. Ich glaube, ich habe bisher kein unfreundliches Wort gehört. Wenn man sich von den Hauptstrassen abwendet und in die kleineren Strässchen oder Gassen, genannt "Gang", ausweicht, ist man bereits in einer anderen Welt. Man darf sich die Gassen aber nicht wie bei uns vorstellen, alsomit Häusern auf beiden Seiten, deren Haustüren direkt auf die Strasse führen. Hier ist es eher so, dass die Gassen von hohen Mauern gesäumt sind, hinter denen sich meistens wunderschöne balinesische Häuser und Villen befinden. Jedes Haus hat einen eigenen Familientempel (habe den richtigen Namen schon wieder vergessen), der der Grösse jeder Familie angepasst ist. Die Balinesen sind Hindus, jedoch unterscheidet sich der balinesische vom indischen Hinduismus, hat man mir gesagt. Obwohl die offizielle Sprache in Indonesien Basah Indonesia ist, hat jede Insel eine oder mehrere eigene Sprachen - hier ist es Balinesisch, das nichts mit Indonesisch zu tun hat. Im Vergleich zu Bamar (Sprache in Myanmar) wäre Indonesisch wahrscheinlich leichter zu lernen, da die Sprache erstens über das gleiche Alphabet verfügt und zweitens auch aussprechbar ist ;-) Danke heisst z. B. "Terima kasih" und genau so spricht man es auch. 
Indonesiens Inseln sind mit Vulkanen - aktiven und schlafenden - übersäht und das kann man sehr gut am Strand feststellen. Der Sand hier in Seminyak ist pudrig fein und glitzert wie schwarzes Gold. Man sieht aber erst wie schwarz er wirklich ist, wenn man seine Füsse ansieht. Dazu ist er auch noch hartnäckig, man bringt ihn ohne Wasser kaum mehr weg, haha.