Myanmar

Mai 2017

13. - 17. Mai 2017, Inle Lake

Inle Lake. Meine letzte Station in Myanmar und ja, es fühlt sich seltsam an zu wissen, dass ich nach viereinhalb Monaten in diesem wunderbaren, kontroversen und einzigartigen Land bald abreisen werde. Nyaungshwe, obwohl der Haupttouristenort der Inle-Region, war nicht überlaufen zu dieser Jahreszeit und ich habe ein paar ruhige Tage hier verbracht. Am ersten Tag habe ich die "obligate" Bootstour auf dem See gemacht, und trotz Touristenattraktion, hat es sich mehr als gelohnt. Ich hatte ein Boot für mich, das von Onkel und Neffen gesteuert wurde. Der Inle Lake ist eine faszinierende Wasserwelt, die aus schwimmenden Gärten und Dörfern, die zum Teil halb auf Land und halb auf Pfählen gebaut, besteht. Ohne Boot geht hier gar nichts und es dient sowohl als Fischerboot, Taxi, Bus, Traktor und alles dazwischen. Auf den schwimmenden Gärten werden zum Beispiel Tomaten angepflanzt, die dann in andere Landesteile verfrachtet werden. Ebenfalls berühmt sind aber auch die Lotusblumen, aus denen Textilien hergestellt werden. Ich wusste nicht, dass es das gibt. Um ein vielfaches teurer als Seide, denn die Produktion ist aufwendig und wird nur in Handarbeit ausgeführt. Ein Schal kostet um die USD 100.00. Andere Handwerkskünste sind Zigarren und Silber. Ersteres habe ich nicht gekauft, aber beim zweiten konnte ich dann doch nicht widerstehen. Ich musste mir ein paar Ohrringe kaufen, sowieso, da ich einen meiner irischen Triskelen verloren habe :-(. 
Am 17. Mai am Abend ging's dann mit dem Nachtbus 11 Stunden nach Yangon (aber VIP), damit ich um 8.30 Uhr meinen Flug nach Bangkok nehmen konnte. Das war Myanmar und 1'000'000 Mingalabars und viele Erlebnisse, aber das beste sind die Freund, die ich gewonnen habe und die ich hoffentlich bald wieder sehen werde. 

11. - 13. Mai 2017, nach Kalaw und Nyaungshwe

Von Bagan ging's in einer erneuten Busfahrt nach Kalaw. Diesmal handelte es sich aber um einen VIP-Bus (nennt sich wirklich so) mit breiten Sitzen (zwei auf einer Seite und nur einer auf der anderen Seite), viel Beinfreiheit und Busbegleiterin (nennt sich das dann auch Hostesse?). Die Fahrt ging in die Berge, über Haarnadelkurven und auf engen Strassen. Meine Taktik, um den Abgrund nicht zu sehen? Augen zu und das beste hoffen! Diese Langdistanz-Busfahrten sind wirklich gut organisiert: es gibt regelmässige Klostops und zu Essenzeiten hält der Bus an einer Raststätte mit Restaurant. Mitten in den Bergen also hält der Bus für eine halbstündige Pause, damit sich die Passagiere verpflegen können. Da ich ja meistens kein Herdentier bin, habe ich mich ein bisschen umgesehen und auf der anderen Strassenseite einen kleinen Tea Shop gesehen. Nichts wie hin und der freundlichen Familie in Zeichensprache erklärt, dass ich gerne was essen würde. Der Mann dann in Zeichensprache zurück gefragt, ob das, was die am Nebentisch essen, in Ordnung sei. Ja, perfekt! Und es war soooo gut! Bei solchen Begegnungen ist immer das beste, dass die Einheimischen zwischen Erstaunen über den "Foreigner" und Entzückung über den Besuch hin- und hergerissen sind. Ich glaube, die Art und Weise, wie ich ihr Essen verschlungen habe, hinterlässt eine gute Erinnerung ;-). 
Kalaw ist ein Paradies für Wanderer, aber auch für Leute wie mich, Non-Wanderer, ein wunderbarer Ort zum Verweilen. Kühler durch die geografische Lage und Höhe war Kalaw eine richtige Erholung nach Bagan und ich habe mich spontan entschlossen, zwei Tage hier zu verbringen. Ich bin spazieren gegangen und habe zwei der süssesten Cafés frequentiert. Wie schon gesagt, Kalaw ist berühmt für seine schönen Wanderungen nach Inle Lake, aber auch für eine malerische Zugsfahrt in die gleiche Richtung. Das wollte ich dann auch machen. Angekommen am Bahnhof hiess es, der Zug habe mindestens zwei Stunden Verspätung. Zur gleichen Zeit waren ein französisches Ehepaar und eine Schweizerin (aus der Romandie) ebenfalls am Bahnhof. Wir haben uns zusammengetan und beschlossen, mal abzuwarten und falls sich der Zug noch mehr verspäten würde, eine Alternative zu suchen. Schliesslich war es dann wirklich so, dass wir uns ein Taxi geteilt haben, damit es nicht zu spät wird mit der Ankunft in Nyaungshwe, dem Hauptort für Reisende in der Inle-Lake-Region. Übrigens, das mit den Schweizern ist so eine Sache. Die sind ja sonst überall anzutreffen, aber ich habe bisher keinen einzigen Deutschschweizer getroffen. Mit Melissa, der Romande, sind es genau drei Schweizerinnen aus der Romandie, die meinen Weg in Myanmar gekreuzt haben (gut, dass wir alle Englisch sprechen können, nicht?) Dafür gibt's unglaublich viele Franzosen, man könnte meinen, die hätten ein Monopol oder so was. Ein paar waren sogar richtig nett, hmm, ja, eigentlich alle ;-). 

6. - 11. Mai 2017, Mandalay - Monywa - Bagan

Ich bin im Verzug, habe ich gerade festgestellt. Ich Versuch mich kurz zu fassen und die letzten Stationen in Myanmar etwas zusammenfassend zu erzählen. Nach der Rückkehr aus Pyin Oo Lwin habe ich nochmals zwei Nächte in Mandalay verbracht und es war so heiss, dass ich mich "minimalst" bewegt habe, d.h. ich habe Tourist gespielt und mich im Mandalay Hill Resort für USD 18.00 den ganzen Tag nicht aus dem Liegestuhl rausbewegt, höchstens für eine Länge oder zwei im Pool, den ich ganz für mich hatte. Am Tag darauf ging's per Minibus in drei Stunden nach Monywa, ein keines Städtchen westlich von Mandalay, das bekannt ist für den gigantischen, stehenden Buddha (siehe Foros). Aber auch sonst war Monywa die Reise wert, denn die Leute gehörten zu den freundlichsten Menschen, die ich auf meiner Reise bisher getroffen habe. Richtung Bagan ging's dann am nächsten Tag, und zwar per lokalem Bus, die generell sehr unbequem sind. Nach vier Stunden Fahrt bin ich dannin der brütenden Wüstenhitze auf Nyaung U's (ja, liebe Lehrerfreunde, ich weiss, dass es da keinen Genitiv-Apostroph hat, aber ich wollte verdeutlichen, dass der Ort Nyaung U heisst und nicht Us ;-)) Busstation angekommen und es war wie ausgestorben, mal gesehen von einem einzigen Taxi, was die Preisverhandlungen nicht gerade zu meinen Gunsten ausgehen liess, haha. Bagan war, wie ich eigentlich erwartet hatte, faszinierend, aber eben auch riesig und dazu die Hitze, die zu dieser Jahreszeit eher derjenigen in der Sahara gleicht. Das heisst, morgens früh raus, damit man vor 10 Uhr seine Tempel abklappern konnte, danach hiess es erstmal Pause bis am späten Nachmittag. Ich habe mir aber drei ganze Tage in Bagan gegönnt, damit ich in Ruhe das ansehen konnte, was ich wollte. Zu Bagan gibt esnatürlich viel Interessantes zu erzählen, aber was mich am meisten beschäftigte, ist die Wohnsituation der Leute. In den 80ern hat die damalige Militär-Regierung beschlossen, alle Anwohner aus der Ortschaft Bagan umzusiedeln. Bagan war bis dahin der Teil der Region, der von einer alten Stadtmauer umgeben ist, ca. 2 km2 gross. Heute heisst dieser Teil Old Bagan. Die Anwohner wurden alle ca. 4 km nach Süden verfrachtet in einen "neuen" Teil, der jetzt New Bagan heisst. Von "neu" kann aber eigentlich nicht die Rede sein, denn auch da leben die Leute in den einfachsten Behausungen. In Old Bagan leben gar keine Leute mehr, dort gibt es nur noch schicke Hotels, Touristen und ein paar Tempel. Obwohl, ich habe ein paar bewohnte Hütten gesehen, aber die sind bestimmt nicht offiziell genehmigt, und auch die haben dem Ort kein Leben eingehaucht. New Bagan hingegen, auch wenn den Leuten aufgezwungen, ist belebt, mit Hotels, Restaurants und Einheimischen. Dort hatte ich mein Hotel und ich bin froh, dass ich New Bagan gewählt hatte. Das Hotel lag in der letzten Strasse des Ortes (Stadt kann man es kaum nennen, nicht mal Städtchen) und in 5 Minuten mit dem Fahrrad konnte man bereits die ersten Tempel erreichen. Ja, Fahrrad, verrückt, oder? Bei der Hitze! Aber das Fahrrad war vor allem, um die Restaurants und so zu erreichen, denn zu Fuss wäre man auf dem Weg verdurstet oder vertrocknet. Ich hab nur am ersten Abend das Rad genommen, um den Sonnenuntergang von einem Tempel in der Nähe zu erleben. Das Wetter war aber nicht meiner Meinung und hat kurz davor einen Sturm losgelassen, vor dem ich dann wieder fliehen musste, haha. Am nächsten Tag habe ich am Vormittag die Tempel mit Ross und Wagen besichtigt, einmal habe ich ein Taxi genommen, um den Sonnenaufgang von einem der Tempel zu sehen und am letzten Tag hab ich ein e-Bike gemietet. A) Der Sonnenaufgang war wegen zu vieler Wolken nicht zu sehen und B) e-Bike ist nicht gleich e-Bike wie wir sie kennen, also kein Fahrrad mit Antriebshilfe sondern eine Art Roller/Motorrad, aber eben elektrisch, ich hab's überlebt, ich Angsthase, falls sich jemand fragt, wie ich zu den Dingern stehe. 

Nachtrag: 29. 4. - 3. 5. 2017, von Pyin Oo Lwin nach Hsipaw

Nachdem ich Mandalay entflohen war, habe ich eine Nacht in Pyin Oo Lwin verbracht und den Botanischen Garten besichtigt. Das Guesthouse war ok, aber nicht so wahnsinnig einladend, umnocheineweitereNacht zu bleiben, darum habe ich mich entschieden, am nächsten Tag den Zug nach Hsipaw (sprich: Sipah) zu nehmen. Hsipaw liegt im Shan State, dem grössten aller Staaten und Rgionen.Überall habe ich gelesen, dass die Zugfahrt dahin so einzigartig sein soll. Sonst, ausser man ist ein Zug-Fan, fährt man hier nicht unbedingt mit dem Zug, um von A nach B zu kommen. Die Züge sindtotal veraltet und brauchen viel länger als der Bus. Die Strecke von Pyin Oo Lwin nach Hsipaw (ca. 165 km) hat 6 1/2 Stunden gedauert. Aber jetzt mal von vorne: Ich bin also am Morgen zum Bahnhofgefahren, genug früh, um ein Ticket zu kaufen und vielleicht noch was zu frühstücken bzw. Proviant zu besorgen. Das Ticket in der Upper Class (in der die meisten Touristen reisen) hat 2750 Kyatgekostet (CHF2.10!). Gleich neben dem Bahnhof befindet sich der Morgenmarkt und ich bin los, um Verpflegung zu suchen. Ich hab einen typischen Tea Shop gefunden und gesehen, dass sie "Ei Kyar Kuay"anbieten, eine Art Doughnut- oder Berliner-Teig, nur etwas fester, der ungefähr in der Form eines Mini-Parisettes herausgebacken wird. Ich liebe diese Dinger und es ist eins der wirklich wenigenWörter, die ich mir merken kann. Also bin ich da rein und hab mich hingesetzt. Nach einer Weile kommt einer und fragt etwas skeptisch: "Can I help you?" Das ist die übliche Frage und der übliche Ton,wenn sie denken "was will wohl dieser Tourist hier"? Ich hab Kaffee und eben Ei Kyar Kuay bestellt. Nach einer Weile bringt er mir eine Tasse Kaffee und einen Teller mit "Platas", auch so ein Frühstücksgericht. Er meinte, speziell für mich. Ok, sieht lecker aus und ich mag Platas auch total gerne. Diese waren mit Ei gefüllt. Ihr müsst euch eine Art Crêpe vorstellen, nur viel luftiger, eineMischung aus Crêpe und Blätterteig, die dann gefüllt war mit einem Ei-Omlette oder Rührei. Hat super geschmeckt. Als ich dann bezahlen wollte, meinte er, er hätte schon bezahlt und ich sei eingeladen. So süss. Ich glaube, er war auch ein Gast, ich war am Ende nicht so sicher. Zurück am Bahnhof ist der Zug total pünktlich eingefahren (siehe Bilder in der Galerie). Ich habe meinen Wagon gesucht, aber vergeblich. Kurz nachgefragt habe ich erfahren, dass noch ein paar Waggons angehängt werden würden, und dort sei dann der Upper-Class-Wagen dabei. Und so war's dann auch. Güterwagen abhängen, warten, warten, warten, bis die zusätzlichen Waggons von "weiss der Geier woher" kommen, diese angehängt, danach die Güterwaggons, und mit einer Verspätung von nur 30 Minuten (ist ausnahmsweise mal nicht sarkastischg emeint) ging dann die Fahrt los. Wie ihr auf den Fotos vielleicht ein bisschen sehen könnt, war die Landschaft unglaublich beeindruckend. Ackerland mit tief rot-brauner Erde hat uns fast den ganzen Weg begleitet. Dazu zu beiden Seiten die Hügel des Shan Staates und immer wieder kleine Ortschaften, zum Teil mit Bahnhöfchen. Das Highlight war natürlich das Goteik Viadukt, die von den Briten im Jahr 1900 fertiggestellte einspurige Eisenbahnbrücke. Wikipedia meint, sie sei 250 Meter über Talgrund. Die genaue Höhe kann ich nicht bestätigen, hoch war's auf jeden Fall. Der Zug fährt ziemlich langsam über die Brücke, ob aus fototechnischen Gründen oder weil es sicherer ist, weiss ich nicht. Kurz nach der Brücke hielt der Zug und einige Touristen sind aus-und auf den entgegenkommenden Zug umgestiegen, so zu sagen ein 3/4-Tagesausflug, denn dieser Halt bezeichnete ungefähr die Hälfte der Strecke. Um 15 Uhr sind wir dann in Hsipaw eingefahren. Hsipaw wirkte ein bisschen ausgestorben, es ist halt bereits Nebensaison, deshalb bin ich am übernächsten Tag wieder  nach Pyin Oo Lwin zurückgefahren - diesmal mit dem Auto, nicht mit dem Schwanke-Schnarch-Zug;-). Die Autofahrt hat dann auch nur 3 1/2 Stundengedauert, über kurvenreiche Passstrassen (danke Stugeron), die der Fahrer aber gut gemeistert hat - kein Kinderspiel bei starkem Verkehr mit überladenen, total vollgepackten Lastwagen, die in beiden Richtungen die Haarnadelkurven zu überwinden versuchten.

4. Mai 2017, Pyin Oo Lwin

Ja, die Kolonialisten hatten recht. Pyin Oo Lwin (ausgesprochen Pjin U Lin) ist ein wunderbares Fleckchen und auf seinen 1070 Metern ü.M. mindestens 10 Grad kühler als Mandalay zu dieser Jahreszeit. Pyin Oo Lwin wird auch die Blumenstadt genannt, wie ihr ja auf den Fotos des Botanischen Gartens sehen könnt. Aber auch sonst ist es herrlich grün und bepflanzt. Das Städtchen lässt sich wunderbar per Fahrrad erkunden (ist schön flach, haha) und es gibt ganz viele Restaurants und Cafés, in denen es sich wunderbar aushalten lässt. Noch einen Iced Cappuccino? Klar, warum nicht ... Apropos Kaffee, die Burmesen, obwohl Myanmar eigene Kaffeeplantagen im Hochland des Chin und Shan Staates hat, trinken ja meistens diese 3-in-1 Kaffemischung aus dem Beutel. Oder dann Filterkaffee. Die, die michgutkennen, wissen ja, dass ich Kaffe höchstens in der Form von "viel Milch mit wenig Kaffee" trinke, aber mittlerweile trinke ich sogar das Filterzeugs, allerdings auch mit mindestens ebensoviel Milch. Und natürlich Zucker. Aber mittlerweile gibt es immer mehr richtige Coffee Shops, die guten Kaffee aus der Espressomaschine anbieten. Hmm, ich glaube, ich bin hier kaffeesüchtiggeworden, hahaha. 
Die letzten Tagen bin ich viel (mehr als jemals zuvor) mit dem Fahrrad unterwegs gewesen und habe viele der noch stehenden Kolonialhäuser abgeklappert. Einige sind immer noch in sehr gutem Zustand, andere am verfallen. Werde bei Gelegenheit Fotos dazu hochladen.
Gestern gings zu den Anisakan Wasserfällen. Wenn ich gewusst hätte, wie anstrengend das wird, hätt ich's wohl nicht gemacht ... Das Motorradtaxi lädt dich am oberen Ende der Schlucht ab und dann gehts erstmal runter. Und runter. Und noch weiter runter. Und bei jedem Schritt hab ich gedacht, scheisse (bitte um Verzeihung, aber anders kann man es nicht sagen), das muss ich nachher alles wieder hoch. Auf dem ersten Teil des Weges hat sich ein Mädchen - sie sah aus wie 12, hat aber später gesagt, sie wär 20 - zu mir gesellt. Ich wusste schon, das lokale Kinder als Führer dienen, die einen über eine Abkürzung zu den Fällen und untersten Becken führen. Sie fragt mich also bei einer Kurve, ob ich die Abkürzung nehmen wolle, die dauere 45' statt 1h. Oh ja, bitte, unbedingt. Und so gings auf Trampelpfaden ins Dickicht, hoch und runter, und es war mindestens so anstrengend, wie das Strässchen, aber auch idyllischer und schattiger. Trotzdem war's richtig heiss und vor allem feucht. Sie hat mich also an den drei oberen Wasserfällen und den Pools vorbeigeführt und wir sind sonst keiner Menschenseele begegnet. Sie hatte ein ziemliches Tempo drauf, wie ein junges Rehlein ist sie über Stock und Stein gehopst und ich hab nur gedacht "ich werde alt". Übrigens, Mami, meine Knie hab ich von dir, die muss ich eintauschen, wenn ich zurück in der Schweiz bin. Glaubst du, das geht? Endlich unten angekommen, erwarten einen wunderbare, kühle Wasserbecken und Sicht auf den untersten der vier Fälle. Man hätte schwimmen können, allerdings Myanmar-style (bekleidet). Ich stand aber nur bis zu den Knien drin, das hat auch schon gut abgekühlt. Ich konnte das Ganze aber dennoch nicht richtig geniessen, weil ich dauernd an den Rückweg denken musste. Es war 10.30 Uhr als ich mich an den Aufstieg machte, ich wollte vor der Mittagssonne oben sein, um noch Schatten zu haben. Der hat leider nur bedingt geholfen, denn obwohl der Weg gut war, zwischendurch sogar betoniert, war es so steil und so heiss, dass ich so alle gefühlte 50 Meter eine Pause brauchte. Ich hab gedacht, das wird heute nichts mehr, haha. Irgendwann hab ich Trick 77 ausgepackt und bin im Zickzack den Weg hoch, das hat echt Kraft gespart und war ebenso schnell oder langsam wie geradewegs hoch. An einer Stelle hab ich dann ein Schild erkannt, das ich auf dem Weg nach unten gesehen hatte. Es ist unglaublich, was es ausmacht, wenn man weiss, wo man ist. Zuvor war es einfach nur eine unbestimmte, unendliche Strecke, aber nach dem Schild wusste ich, es hat irgendwann ein Ende ;-). Heute habe ich jedenfalls ein neues Haustier, heisst Muskelkater. Ist aber nicht so schlimm, wie gedacht, vielleicht deshalb, weil ich am Nachmittag noch ein bisschen Velo gefahren bin.

April 2017

27. April 2017

Ich bin also in Mandalay - nicht Daphne du Maurier's - sondern die zweitgrösste Stadt des Landes. Sie befindet sich in der Mitte Myanmar's und ist auch Hauptstadt der gleichnamigen Region. Dazu ein interessanter Fakt: alle "Staaten" in denen die Mehrheit der Bevölkerung burmesisch (Myanmar) ist, wird Region genannt. Die anderen, diejenigen mit einer Mehrheit an ethnischen Minderheiten, werden als Staaten bezeichnet (z. B. Karen State, in dem ich jetzt lange war). Eine Methode, den Stellenwert der Minderheiten im Land zu bekunden; Region ist gleichbedeutend mit "Führungsrasse", während die Staaten die unterdrückten Ethnien beheimatet. Die Militärdiktatur hat in dieser Beziehung durch die Umbenennung des Landes von Burma in Myanmar ebenfalls ihr Zeichen gesetzt. Während Burma das Land mit all ihren Ethnien bezeichnete, steht Myanmar für die Ethnie der Führung. Kein Wunder also, dass die neue Bezeichnung (seit den 80ern) nicht überall gleich gut ankommt. 

Ich habe mich mittlerweile etwas daran gewöhnt, dass das Land grundsätzlich in fast allen Bereichen polarisiert, und schliesslich sind es die schönen Dinge, die Myanmar so besonders machen. Mandalay ist umgeben von vier alten, historischen Königsstädten - Mingun, Sagain, Inwa und Amarapura. Sie alle waren nacheinander - oder auch hin- und her - Sitz verschiedner Könige und Kaiser. Bilder dazu findet ihr irgendwann in der Galerie ;-). Ansonsten ist Mandalay, wie fast jeder Ort in Myanmar, gesprenkelt mit Klöstern und Pagoden - so vielen, dass man sich erstens nicht alle ansehen kann und zweitens nicht alle ansehen will (total Pagoda overload!). Hier machen die alten Städte eine wunderbare Ausnahme, da noch viele Ruinen und antike Gemäuer zu besichtigen sind. Heute mache ich nicht viel, das heisst, ich versuche mich möglichst in klimatisierten Räumen aufzuhalten, um der Hitze zu entgehen - ihr könnt es euch gar nicht vorstellen, bereits morgens um 8 Uhr ist es so heiss, dass einem der Schweiss runterläuft, ohne dass man was tut - und ich meine, wirklich nichts tut, einfach stehen und sich nicht bewegen reicht schon. Morgen reise ich weiter nach Pyin Oo Lwin, das die Briten damals als kühlere Sommerresidenz nutzten. Mal sehen wie "kühl" es dann wirklich ist.      


Nachdem ich Hpa-an am 19. April schweren Herzens verlassen habe, war ich zuerst am Golden Rock, einem goldenen Steinbrocken, der zu den wichtigsten Pilgerorten in Myanmar zählt. Der überdimensionale Kieselstein war schon imposant, aber die Fahrt auf den Berg war halsbrecherisch und der Eintritt unverschämt. Ich ertappe mich immer häufiger, wie ich z. B. denke "waaas, 2000 Kyat ist aber teuer!" :-) (ca. CHF 1.70). Aber mal ernsthaft, es geht mir schon ein Wenig auf den Keks, dass Touristen massiv mehr bezahlen als Einheimische - oder überhaupt bezahlen müssen, während es für die lokalen Touristen oder Besucher gratis ist. Was mir auch nicht behagte, war, als ich gestern beim Royal Palace meinen Pass am Eingang lassen musste. Was zum Teufel wollen die mit meinem Pass?? "Verlegt ihn ja nicht!!" Ich sag nur: Kontrollstaat. Ebenfalls in den Palastmauern hab ich mich genervt, dass einheimische Besucher ein Fahrrad leihen können, Ausländer aber nur ein Motorradtaxi. Nein, danke, ich geh zu Fuss, auch wenn's weit ist. Ein Stückchen die Strasse runter habe ich dann für ein zweites Frühstück Halt gemacht. Die Frauen, die eine kleine Garküche und ein paar Tischchen hatten, haben mir ein leckeres Nudelgericht mit vielen kleinen Extraschälchen aufgetischt, mir danach noch Blumen ins Haar gesteckt und das Ganze hat mich 25 Rappen gekosten. Kein Witz! Ich sag ja, polarisierend.


Aber ich schweife ab. Vom Golden Rock bin ich nach Bago weitergereist und hab dort erstmal luxuriös ein paar Tage in einem wunderschönen Resort verbracht und meine Batterien aufgeladen. An einem halben Tag habe ich aber doch ein Motorradtaxi gemietet und mir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Bago angesehen. Von da ging's dann nach Mandalay.  

März 2017

10. März 2017, Mae Sot, Thailand

Ich weiss, ich bin total im Rückstand mit Schreiben, aber ich hoffe, dass ich an diesem Wochenende dazu komme. Die Zeit fliegt ja bekanntlich und ich kann das aus tiefstem Herzen bestätigen! Ich bin nämlich gerade in Thailand - ja, ihr lest richtig -, weil mein 70-Tage-Visum bereits abläuft (am 15.3.17). Also musste ich kurz nach Thailand hopsen, damit ich am Montag wieder mit einem neuen Visum einreisen kann. Gerade sitze ich in einem Restaurant namens Casa Mia und esse - was wohl? Eine Pizza Margherita. Wer nicht schon mal zwei Monate von Reis gelebt hat, darf jetzt nicht urteilen. Mensch, hab ich mich darauf gefreut! Und morgen gibt's Burger und hoffentlich Wein, ich kanns kaum erwarten. Heute Morgen bin ich um 8.30 Uhr in Hpa-an gestartet und war um 12.00 Uhr in Thailand. Es gibt keine Busverbindung; entweder fährt man mit einem vollgestopften Minivan oder teilt sich ein "Taxi". Das hab ich gemacht und hatte richtig Glück mit den Weggefährten, ein älteres Ehepaar so um die 75, er Engländer und sie Französin, die bereits seit 10 Jahren immer wieder nach Myanmar reisen, und dies auch heute noch mit Tramper und individuell! "Chapeau" kann ich da nur sagen! Wir wurden also die 156 km zum Grenzstädtchen Myawaddy gefahren (kostet pro Person MMK 10'000 = CHF 7.60). Dort passiert man zu Fuss die Ausreise aus Myanmar, läuft über die 420 Meter lange "Friendship Bridge" und ist, nach dem passieren der thailändischen Grenzkontrolle, in Mae Sot, Thailand. So einfach ;) (Ich hoffe, sie lassen mich dann auch wieder zurück.) Mae Sot ist ein besonderer Flecken, geprägt von den nördlich und südlich davon gelegenen Flüchtlingslagern, in denen insgesamt ca. 120'000 burmesische Flüchtlinge mit unterschiedlichen Ethnien (aber vor allem Karen) leben. Dies macht Mae Sot zum Ausgangspunkt und Hauptsitz unzähliger Hilfswerke und NGOs, was bedeutet, viele Westler leben und arbeiten hier, folglich die grosse Auswahl an westlichem Essen. Ausser dem Essen werde ich auch meinen Bedarf an Medikamenten und solcherlei auffrischen. Die Apotheken sind bestückt wie in Europa und die Preise sind lächerlich. Oder sind sie in der Schweiz lächerlich? Hmm ...? Für eine Schachtel Stugeron und eine Tube Fenistil zahlt man in der Schweiz ca. CHF 26.-. Hier habe ich umgerechnet CHF 3.50 bezahlt. Bevor ich euch aber mehr von Mae Sot erzähle, springe ich zuerst einmal zurück zum Wochenende, das ich in Mawlamyine verbracht habe, also "stay tuned" ...

Und ein längst überfälliger Nachtrag: Also, Mami, der gelb-weissliche Puder, den die Menschen im Gesicht haben, nennt sich Thanaka. Es ist eine Paste aus geriebener Baumrinde und wird als Kosmetik zur Hautpflege und als Sonnenschutz verwendet. Dass es, wie manche Quellen sagen, hauptsächlich von Frauen aufgetragen wird, kann ich nicht bestätigen. Ich sehe auch viele Männer, die sich damit pflegen. Fotoquelle: https://burmatravel.info/burma-information/burmas-thanaka-paste.html. Paradoxerweise ist das Schönheitsideal hier: so weiss, wie möglich. Viele der Studentinnen fühlen sich nicht hübsch, weil sie "zu dunkel" seien. Verdrehte Welt.

24. - 27. Februar 2017, Mawlamyine

... um mal ein Wochenende für mich zu haben und natürlich auch um was vom Land zu sehen, bin ich für ein langes Wochenende nach Mawlamyine gefahren. Wer die Fotos schon gesehen hat, hat sich vielleicht gefragt, wie man denn dieses verflixte Mawlamyine ausspricht. Ja, ich hab auch eine Weile gebraucht und es wird folgendermassen ausgesprochen: Mawl-mi-ein (das Maw wie das AW im englischen "chaw"). Mittlerweile erkennt auch mein iPad das Wort, sehr hilfreich ;). Mawlamyine ist 24 km von Hpa-an entfernt und liegt im Mon-Staat (Mon ist ebenfalls eine der über 100 Ethnien Myanmars). Die Stadt ist die Hauptstadt des Mon-Staates und die viertgrösste des Landes, dies aber erst seit die Regierung die neue Hauptstadt Nay Pyi Taw aus dem Boden gestampft hat. Grössentechnisch macht es allerdings nicht so viel Unterschied ob an dritter oder vierter Stelle, denn wir würden sie so oder so kaum als Stadt bezeichnen. Vielleicht noch als Stadt mit Dorfcharakter. Das beste kurz zusammengefasst? Die Menschen und die Sonnenuntergänge. Wie oft ich täglich "Min-ga-la-pa" gesagt habe, "goht uf kei Chuehut"! Die Leute grüssen an jeder Ecke, vom Knirps bis zum Greis. Und ich bin sicher, dass mein "Htamain" was dazu beigetragen hat. "Htamain" fragt ihr euch? Das ist der traditionelle lange Rock, den die Frauen tragen. Ausgesprochen wird das Ding "Tamein" und ist ein röhrenförmiger Rock, der nicht wie ein Sarong rumgewickelt wird, sondern vierfach gefaltet ist, sodass man sogar im Schneidersitz sitzen kann, ohne dass man Bein zeigt. Der Rock der Männer heisst übrigens "Longyi" (Long-dschi). Ich habe mir bereits vor einer Weile mehrere Htamains gekauft und die Einheimischen sind ganz verzückt, wenn die "foreigners" einen tragen. Obwohl ich Myanmar als eines der sichersten Länder der Welt beschreiben würde (jedenfalls Touristen gegenüber), ist der Htamain wie ein unsichtbarer Schutzschild - ich achte die lokale Tradition und werde dafür mit Gegenrespekt behandelt, oder so ähnlich. Ok, äh, wo war ich? Ach ja, die Menschen. Also sie sind herzlich, aufgeschlossen, neugierig. Ich glaube der zweite Punkt spricht für sich, wenn ihr euch die Bilder der Sonnenuntergänge anseht. Angeblich soll Rudyard Kipling nach seinem dreitägigen Aufenthalt in "Moulmein" über die Aussicht von der Kyauk Tan Lan Pagoda geschrieben haben. Auch George Orwell war hier, er allerdings stationiert als Polizeibeamter in den Zeiten von British Lower Burma, dessen Hauptstadt "Moulmein" war ... to be continued ...

Februar 2017

9. - 12. Februar 2017

Am Donnerstag war eine kleine Gruppe Studenten und wir vier "Ausländer" am Fire Festival in Kyondo, Karen State. Das liegt südwestlich von Hpa-an. Eine ehemalige Studentin der Schule hat speziell die Ausländer eingeladen, da sich ihre Organisation sehr darüber freuen würde, wenn Ausländer kommen würden. Also dann mal nichts wie hin ... nach einer 1 1/2-stündigen Fahrt (mit dem Auto, zum Glück!) sind wir also da angekommen und haben ... eine Art "Chilbi" mit Markt (man stelle sich Weihnachtsmarkt klimatisch und kulturell angepasst vor) angetroffen. Nicht was wir "unwissenden" Ausländer uns unter Fire Festival vorgestellt hatten. Wir hatten alle gedacht, es handle sich um traditionelles Fest, bei dem es um Feuer geht. Naja, das Feuer haben wir dann auch noch gefunden. Die Leute zünden Kerzen und Räucherstäbchen an und sie können Gebetsfahnen aus Papier kaufen, die dann an einem riesigen Scheiterhaufen angebracht werden, der am Freitag (wir waren am Donnerstag da) angezündet werden würde. Für uns blieb eine Fülle von Ständen mit Matratzen, Kleidung, Schuhen, Bettwaren, Spielsachen und vieles mehr. Auch Essensstände gabs reichlich. Und Glücksspiel ... Das Festival ist angeblich 191 Jahre alt und es kommen Leute aus dem ganzen Land angereist. Obwohl das Gelände nicht gerade klein war, waren wir mit Sicherheit die einzigen Ausländer und damit die Atraktion für viele ... bitte ein Foto, und noch eins, und "ich kann schon nicht mehr lächeln" ;) Gegen 23 Uhr haben wir uns langsam auf den Heimweg gemacht und dabei gesehen, wie einige Leute angefangen haben, Bastmatten auf dem ganzen Gelände zu verteilen. Das ist das burmesische Äquivalent für Übernachtungsmöglichkeiten (die es, selbst wenn die Leute sich eine Übernachtung in einer Unterkunft leisten könnten, schlicht nicht gibt.) Eine Heimkehr wäre in den meisten Fällen auch nicht so angenehm, da die An- bzw. Rückreise unter Umständen viele Stunden dauert. Für uns gab es so oder so nur eine Option, nämlich nach Hpa-an zurückzufahren, denn Ausländer dürfen nicht ausserhalb registrierter Unterkünfte übernachten, also z. B. auch nicht in Privathäusern. 
Am Samstag waren Fred und ich und einige der Studenten an der Hochzeit eines Alumni (und Bruder einer der jetzigen Studentinnen) in Myaing Gyi Ngu, ca. 2h nördlich von Hpa-an. Die Zeremonie selber haben wir nicht mitbekommen; die wird traditionell vom Dorfältesten abgehalten, der ein Paar zu Mann und Frau erklären kann. Erst seit kurzem werden wohl auch amtliche Eintragungen verlangt - ob das aber von allen gemacht wird, ist eher fragwürdig. Wir haben auf jeden Fall viel und gut gegessen, laute Musik gehört, mit Freunden und Verwandten Tee getrunken und Fotos gemacht. Als Geschenk kann man, wie bei uns auch, Dinge für den Haushalt schenken, aber auch Geld ist üblich. Das Lustige war, dass jeder kleine Laden im Dorf vorbereitete Geschenkboxen mit entweder Geschirr oder Besteck hatte. Anscheinend ist gerade Hochzeitssaison, es ist ja schliesslich Winter hier, also noch nicht zu heiss und noch nicht nass. Nur so zum Vergleich: Eine solche Geschenkbox mit einem Set Tässchen und Untertellern kostet zwischen 3500 und 5000 Kyat (CHF 2.60-3.80). Ich habe dem Paar 10'000 Kyat geschenkt (CHF 7.70), das sei mehr als genug, hat man mir gesagt. Es war richtig schön zu sehen, wie die Menschen, dazu noch eine meiner Studentinnen, leben. Natürlich sehr einfach für unsere Verhältnisse, aber die Leute sind so fröhlich und liebenswert, man hat den Eindruck, sie sind wirklich glücklich. Am Nachmittag sind alle Gäste, die wieder Richtung Hpa-an mussten, noch zur Pah Don Höhle/Pagode gefahren. 

4. Februar 2017, Saddan Cave

Der heutige Tag war richtig toll, aber auch wahnsinnig anstrengend - ich bin richtig auf den Felgen (für die, die diesen aus dem klassischen Schweizerdeutsch stammenden Ausdruck nicht verstehen: ich geh' auf dem Zahnfleisch, bin total k.o. oder einfach nur hundemüde). Leider bin nicht nur ich jetzt auf den Felgen, auch unser geliebter Dreiräder hat sich heute Morgen, kurz nach dem Aufbruch, entschieden, mal kurz den Vorderreifen platzen zu lassen und auf den Felgen weiterzufahren. Ach, wenn's sonst nichts ist, wir sind uns ja die Warterei gewohnt. Diesmal war der blaue Dämon (Michelle und ich haben ihn heute so getauft) aber gar nicht mehr fahrtüchtig, weshalb die Jungs zuerst Werkzeug mit dem Motorrad holen mussten, das Vorderrad abmontieren, Rad und Reifen zum Reparieren fahren und danach wider anmontieren. Und schon gings weiter ... hat nur ca. eine Stunde gedauert. Die Strasse war sonst zum Glück ziemlich gut, nur das letzte Stück bis zur Höhle war Schotterstrasse. Zuerst mussten wir uns nach der Ankunft mal stärken, also Mittagessen. Das hat ungefähr CHF 0.70 pro Person gekostet. Danach gings zur und in die Höhle, die (ich muss es leider schon wieder sagen, wie könnte es anders sein, als Pagode dient). Der Eingang ist also die Haupthöhle, die danach aber ins innere des Berges weiterführt, der auf einem Weg aus hartgetrampeltem Lehm und Fledermausscheisse, schlecht beleuchtet und manchmal Akrobatik erfordernd auf die andere Seite des Berges führt. Ah ja, hatte ich schon erwähnt, dass die Höhle auch "Gates to Hell" genannt wird ... klimatisch stell' ich mir die Hölle zwar anders vor, aber sonst hat's was :-). Aber dass man nicht der Höhle selbst wegen kommt, war für mich von Anfang an klar. Ich hatte gelesen, dass man die Höhle durchqueren und vom entgegengesetzten Ausgang per Langboot zum Ausgangspunkt zurückgerudert werden kann. Und genau so war es auch. Das war das absolute Highlight! Die Rückfahrt mit dem blauen Dämon war glücklicherweise unspektakulär, wenn auch holprig. Zur Belohnung habe ich mir vorher zum Dessert ein paar Crêpes mit Erdbeermarmelade gegönnt, also genau genommen fünf - ja, ich weiss, gar nicht burmesisch, aber sie verkaufen die hier so auf dem Night Market, yammie!

3. Februar 2017, Bat Cave

Heute Abend ist eine kleine Gruppe - nur vier von uns - ganz spontan zur Bat Cave (Fledermaushöhle) gefahren, die ungefähr 20 Minuten mit dem Motorrad entfernt liegt. Der Ort heisst zwar Bat Cave, aber in die Höhle selber kann man gar nicht. Vielmehr steigt man über einige ziemlich steile Treppen und Leitern auf einen Felsen (auf dem eine Pagode steht, was auch sonst), von dem man eine absolut fantastische Aussicht auf den Thanlyin River hat. Man sitzt oder steht also auf diesem Felsen und wartet ... ja aber auf was? Ich dachte, irgendwann kommt vielleicht mal eine Fledermaus vorbeigeflogen oder so. Und dann plötzlich, von einer Sekunde zur nächsten, schiessen tausende Fledermäuse aus dem Höhleneingang, und ich meine tausende über tausende, und es hat nicht mehr aufgehört. Das ganze dauerte mindestens 10 Minuten und hat von unserer erhöhten Lage aus ausgesehen, als würde eine riesige Ameisenstrasse über den Fluss fliegen. 

Januar 2017

29. Januar 2017

Heute hiess es wieder Berg besteigen - obwohl Berg eigentlich übertrieben ist, Hügel wäre wahrscheinlich passender. Der Auftieg war auch wesentlich leichter als letzte Woche, nur das letzte Stück war mit Stufen versehen, der grösste Teil des Wegs war eine nicht allzu steile Schotterstrasse. Und natürlich stand auf dem Gipfel wieder eine Pagode und ein Kloster. Und die Aussicht war wieder einmal die Anstrengung wert (siehe Fotos). Die Landschaft ist hier ganz besonders und typisch für diese Gegend. Das Land ist weitestgehend flach (topfebä, wie man auf gut Schweizerdeutsch sagen würde), dann aber von Karstbergen gesprenkelt, die ganz plötzlich vor einem aus dem Boden schiessen. 
Ich habe bereits den Wunsch angebracht, zwischendurch mal eine Höhle zu besichtigen, nicht nur Berge zu besteigen ... Tan Win fand das lustig, er könnte nämlich ungefähr fünfmal den Berg rauf- und runter rennen, während ich immer noch an der ersten Runde bin ;-). Ich halte euch auf dem Laufenden. 

28. Januar 2017

Die Tage vergehen wie im Flug und ich mache auch nichts anderes als die meisten von euch - aufstehen, frühstücken, ein bisschen Arbeiten, Siesta halten, essen, usw. ;-)
Heute bin ich mit dem Motorrad-Taxi nach Kyauk Ka Lat (klingt fast wie "chocolate", [tscho-k'lat]) gefahren, das ungefähr 20 Minuten von der Schule entfernt liegt. Kyauk Ka Lat ist eine ungewöhnliche Felsformation mitten in einem künstlich angelegten See. Auf dem Felsen befindet sich eine Pagode, die allerdings nur für die Mönche zugänglich ist. Das ist auch gut so, denn der Aufstieg führt über Bambusleitern, die halsbrecherisch aussehen. Der Fels selbst steht auf einer Insel, die per Fussgängerbrücke erreicht wird und die gleichzeitig das Kloster der Mönche ist. Neben dem See befindet sich eine grosse Pagode, in der ein lebendiger Mönch hinter Glass sitzt und sich nicht rührt (jedenfalls denke ich, dass er echt war ...). Auf dem Rückweg hat mich mein Fahrer über eine andere Strecke zurückgefahren, dabei sind wir am berühmten Mount Zwekabin vorbeigefahren, an dessen Fuss der Lumbini Garden liegt, ein Gelände mit über Tausend identischen Buddha-Statuen. Danach habe ich nochmals gefrühstückt, ist ja schliesslich Samstag. 
Ah, und das habe ich ganz vergessen: heute morgen habe ich den Duschkopf abgebrochen ... ich wollte doch nur den Strahl in eine andere Richtung drehen, da hatte ich nicht nur den Duschkopf sondern das halbe Rohr in der Hand, haha. Das Ding war so korrodiert, das der kleinste Druck gereicht hat. Die Jungs (Tar Zan und Zaw Zaw Aung) haben es aber bereits repariert, nachdem sie abends noch einen neuen Duschkopf besorgt haben. Der alte, der ja an sich noch gut war, ist jetzt in der zweiten Dusche (die zuvor nur so ein mickriges Rinnsal von sich gegeben hat), das heisst, wir haben jetzt zwei gut funktionierende Duschen! Ich wollte für die Ersatzteile bezahlen (hab's ja schliesslich ausgefressen), aber davon wollten sie nichts hören. Das Haus sei ja sowieso in so schlechtem Zustand, da passiere sowas schon mal. Bei der Gelegenheit habe ich mich mit Tan Win (Manager) über Hauskosten unterhalten. Das jetzige Haus ist gemietet und kostet, durch den schlechten Zustand, in dem es sich befindet, "nur" USD 200 im Monat. Der Besitzer ist aber nicht daran interessiert, etwas zu reparieren oder verbessern, da er das Haus wohl bald abreissen lassen wird, um auf dem Land ein neues Haus zu bauen, das er dann teuer verkaufen oder vermieten kann. Also habe ich Tan Win gefragt, ob denn (rein hypothetisch) ein Hauskauf nicht besser wäre für das Projekt und was ein Objekt in der gleichen Grösse, aber in gutem Zustand, kosten würde. Er meinte, das würde wahrscheinlich so zwischen USD 100'000 und 150'000 kosten. Wenn also jemand eine schlaue Idee hat, wie man zu diesem Geld kommen könnte, nur her damit. Die Alternative wird sein, irgendwann aus Hpa-an ins Umland zu ziehen, was für das Projekt in vielerlei Hinsicht sicher nicht förderlich wäre.

21. Januar 2017

Der gestrige Tag war abenteuerlich und anstrengend, aber dennoch ein toller Geburtstag. Der Plan war, um 6.00 Uhr loszufahren und den Taung Wine Mountain zu besteigen (Bilder in der Galerie zu Referenzzwecken zuziehen :-)). Natürlich würde niemend (ausser die Schweizerin) annehmen, dass wir wirklich um 6.00 Uhr losfahren, haha. Es ging dann so um 7.00 Uhr los, aber dann noch erst Frühstücksstop einlegen. Die Fahrt in einem Auto wäre wahrscheinlich relativ kurz und schmerzlos gewesen, aber da die Schule für den Transport so vieler Leute "nur" ein Dreiradmotorradlasterdings hat, war die Fahrt 10x Knochen durchschütteln und 100x hoffen, dass das Ding nicht kippt auf der Holperpiste (natürlich wusste niemand, dass der grösste Teil der Strecke unbefestigte Strasse ist ...). Tar Zan, der Fahrer, hat das zwar super gemacht, aber mit 12 Leuten auf der Ladefläche, habe ich dem Gefährt einfach nicht mehr getraut. Wie ihr lesen könnt, wir haben's überlebt. Der Aufstieg auf den Berg begann so ca. Um 9.00 Uhr, und glaubt mir, der hatte es in sich. Es waren praktisch nur Stufen, was das Ganze noch viel anstrengender machte. Ich glaube, die letzte Gruppe, in der natürlich auch ich dabei war, brauchte sicher eine Stunde ... Aber die Aussicht  und das Zusammensitzen auf dem Gipfel waren eine tolle Entschädigung. Wer jetzt denkt, runter gings ja dann schneller, der ist noch nie eine Million Stufen von überdimensionaler Höhe runtergestiegen, es war jedenfalls fast so anstrengend wie hoch. Das Highlight des Abstiegs war die Müllsammelaktion, die der Schulleiter initiiert hat. Die Studenten haben in mitgebrachte Säcke Müll sortiert und mit nach unten genommen. Das war sensationell und gleichzeitig doch nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Ihr könnt euch die Müllsituation hier nicht vorstellen! Unten angekommen gab's aber gratis Mittagesssen (wird von vielen Klöstern angeboten), inklusive dem von Westlern mit Naserümpfen betrachteten 3-in-1 Kaffee, den es hier gibt (Nescafé, Milchpulver und Zucker als Pulvermischung zum Aufgiessen). Aber so schlecht schmeckt er gar nicht und wenn's nichts anderes gibt, gewöhnt man sich sogar daran :-). Danach folgte die zweite Knochelsammelaktion ohne weitere Zwischenfälle. Als wir dann schon wieder auf der asphaltierten Strasse waren, hat aber prompt der eine Reifen den Geist aufgegeben. Während die Jungs den Dreiräder irgendwohin zum Flicken gebracht haben, konnten wir bei einem Autohändlern, vor dessen Geschäft uns die Luft ausging, im Schatten warten. Er hat uns sozusagen seinen Verkaufsraum angeboten, ohne mit der Wimper zu zucken. Die Leute sind einfach super hier. Nach ungefähr 45 Minuten wurden wir wieder aufgeladen und sind zu einem Naturschwimmbecken weitergefahren. Hier muss man sagen, dass die Burmesen, für unsere Verhältnisse, sehr konservativ sind. Gebadet wird in der Öffentlichkeit nur bekleidet, also mindestens Shorts und T-Shirt. Nur Kinder haben noch den Nakt- oder in Badehose-Freipass. Ich denke, so ca. die Hälfte ist schnurstracks reingesprungen :-). Das hat dazu geführt, dass einer der Studenten danach so gefroren hat, dass er nicht hinten auf dem Motorad zurückfahren wollte (einige der Studenten sind mit den Motorrädern mitgekommen, da nicht alle in den Dreiräder passten). Ich habe noch so gerne meinen Platz eingetauscht und bin hinten bei Nan Di Ya mitgefahren, das war super! Für abends hatte ich eigentlich das Lehrerteam gefragt, ob sie Lust hätten, essen zu gehen. Nachdem wir aber einen super tollen Tag mit den Studenten verbracht hatten, wollte ich nicht, dass sie in der Schule essen müssen, während wir ausgehen. So habe ich kurz entschlossen gleich alle eingeladen, was richtig schön war, denn in der Schweiz hätte ich dafür einen Kredit aufnehmen müssen. So habe ich für eine Gruppe von 24 Personen gerade mal CHF 45.- ausgegeben! Das ist kein Scherz und das Essen war reichlich. Obwohl die Studenten schon auf dem Weg zum Berg Happy Birthday für mich gesungen hatten, war das Schönste, dass sie, nachdem wir wieder zurück in der Schule waren, einen richtigen Kuchen mit Geburtstagsdeko und Kerzen besorgt hatten. Das war sooo süss, vor allem wenn man bedenkt, dass hier Geburtstage eigentlich nicht gefeiert werden.  

19. Januar 2017

Heute war der zweite Tag in Folge, an dem wir zwischen 10.00 und 16.00 Uhr, heute sogar bis 18.00, keinen Strom hatten. Man denkt da ja zuerst, kein Problem, es ist ja hell und so, aber was da alles nicht funktioniert ... da kommt ein ganzer Rattenschwanz zusammen. Also mal das Licht im Schulraum, der dummerweise einer ist, der nur auf der Hälfte einer Seite ein Fenster hat. Keine Ventilatoren, kein Internet, keine Möglichkeit, Material zu drucken, kein Wasserkocher für Tee. Aber es geht noch weiter: Ohne Elektrizität wird auch kein Wasser in den Wassertank gepumpt, von dem aus die Leitungen gespeist werden, d. h. kein Wasser zum Duschen, kein Wasser zum Abwaschen, kein Wasser, um die Toiletten zu spülen. Und vom Ausfall ist das ganze Quartier (oder die ganze Stadt?) betroffen, was bedeutet, das nette Café die Strasse runter kann natürlich keine frischen Fruchtsäfte mixen und keinen Kaffee zubereiten. Und trotzdem läuft das Leben irgendwie weiter (aber es sind auch alle froh - nicht nur die Westler - wenn der Strohm wieder angeht :-)) Eigentlich hätte die Schule ja einen Generator ... aber ihr dürft dreimal raten ... er funktioniert nicht :-) Mal sehen, wie's morgen wird ... 
Die Nächte sind wieder wesentlich wärmer geworden (war wahrscheinlich nur ein vorübergehendes Tief, oder so), es braucht also keine langärmligen T-Shirts, Socken, Kapuzenpulover und Wolldecken mehr.  

13. - 17. Januar 2017

Aus den letzten Tagen gibt es nicht viel Neues zu berichten. Das Leben hier läuft langsam, dennoch vergehen die Tage, es ist also nicht langweilig. Bis gestern dauerte die Einführungswoche für die neuen Studenten und ab heute findet regulärer Unterricht statt. Da wir insgesamt fünf Lehrer sind, haben wir ein sogenanntes "Schoggi-Leben". Diese und nächste Woche findet Vormittags Grammatik statt. Danach, von 13-14.30 Uhr teilen wir die Klasse durch drei und machen in kleinen Grüppchen Aussprache und Konversation (das mache ich zusammen mit zwei weiteren Freiwilligen, einem Pärchen aus den USA, die so gar nicht klischeehaft amerikanisch sind; im Gegenteil, sie zögern ihre Rückkehr in die USA so lange raus, wie nur möglich, da sie sich nicht vorstellen können, wieder dort zu leben, nachdem sie jetzt bereits fünf Jahre lang unterwegs sind). 
Das Gute am Leben hier ist, man braucht kaum Geld. Ich habe, seit ich angekommen bin, erst ca. CHF 150.- für Transport und Verpflegung (und Matratze, Wolldecke, ein langärmliges T-Shirt) ausgegeben. Ja, ihr habt richtig gelesen: Wolldecke! Es war in den letzten paar Nächten richtig kalt, so dass wir uns alle vor dem zu Bett gehen dick eingepackt haben. Einige der Einheimischen finden es sogar tagsüber kalt und laufen in Jacken und Wollmützen rum, so süüüss, und das bei mind. 25 Grad. In der nächsten Zeit werde ich sicher öfter mal hier im YCC essen und mich verpflegen, nicht nur, weil das Internet gut ist, auch weil das Essen in der Schule etwas einseitig ist (ja, diese Probleme). Es gibt dreimal täglich Reis mit verschiedenen Beilagen. Die burmesische Küche ist sonst überhaupt nicht einseitig, aber so viel Reis kann keiner essen ;-). Zu Evelines Kommentag wegen des Eis': Mittlerweile, habe ich mir sagen lassen, wird Eis in den meisten Fällen industriell aus gereinigtem Wasser hergestellt. Das ist also nicht mehr meine erste Sorge. Die hygienischen Verhältnisse in der Schulküche sind aber für westliche Mägen prekär. Wer das überlebt, überlebt alles ;-)
Eine Sache, die ich schon lange mal erzählen wollte, ist die aussergewöhnliche Verkehrsführung. Man fährt hier rechts, also wie in Kontinentaleuropa, die Autos sind aber englisch konstruiert, also mit dem Steuer rechts. Das habe ich noch nie zuvor gesehen. Vielleicht ist es eine Kombination aus Überresten aus der Kolonialzeit und aus Militärregierung, die versucht hat, davon wegzukommen ... 

9. - 12. Januar 2017

Am 9.1. bin ich mit dem Bus von Yangon nach Hpa-an gefahren - ich weiss jetzt auch, wie man es ausspricht: "Pa-ann" - eine 6-stündige Fahrt, die aber in den komfortablen, klimatisierten Bussen gar nicht so schlimm war, wie gedacht (und wahrscheinlich auch dank des Stugerons, haha). Hpa-an ist die Bezirkshauptstadt des Karen-Staates, wo bis heute Konflikte zwischen der burmesischen Regierung und der KNU (Karen National Union) herrschen. Mehr Infos dazu unter https://de.wikipedia.org/wiki/Kayin-Staat.

Während der letzten Tage habe ich die Dossiers der Studenten gelesen, die für dieses Jahr am 8-monatigen Programm teilnehmen können. Wir können uns gar nicht vorstellen, aus welchen Verhältnissen diese jungen Leute kommen. Zwei sind z. B. aus den Flüchtlingslagern hinter der thailändischen Grenze. Diese Menschen wurden entweder aus Myanmar vertrieben oder gehen sogar freiwillig dorthin, weil es in den Camps bessere Schulmöglichkeiten gibt als in ihren eigenen Dörfern. Die Schulen in den Camps werden von diversen Hilfsorganisationen geführt und finanziert. Wenn ein Schueler freiwillig in ein Lager geht, hat er aber keinen Anspruch auf Unterkunft oder Verpflegung. Ich habe gehört, dass Familien, die in den Camps leben und selbst kaum durchkommen, andere Kinder aufnehmen und durchfüttern, damit diese dort zur Schule gehen können. Die meisten anderen Teilnehmer stammen ebenfalls aus einfachen bis sogar armen Verhältnissen. Sie können nur an diesem Programm teilnehmen, weil es allen Teilnehmern kostenlose Teilnahme ermöglicht; Unterricht, Unterkunft und Verpflegung sind durch Spenden finanziert.

Ich habe deshalb zuerst über die Teilnehmer und nicht über die Unterkunft und Infrastruktur erzählt, weil angesichts der Schicksale und der Umstände, die in diesem Land herrschen, die grenzwertigen Umstände der Unterbringung für uns Freiwillige irgendwie in den Hintergrund rücken. Dennoch ein Wenig dazu: Wir schlafen in einer dem Haus angebauten Bambushütte (das ist voll ok, nur gestern, als es die ganze Nacht geregnet hat, war halt alles noch feuchter als sonst schon - ich glaub, ich muss als nächstes in die Sahara, um alles trocken zu kriegen). Die Klo- und Duschsituation ist viel interessanter. Es gibt zwei Duschen und ein "richtiges" Klo (also so eins, wie wir sie kennen, wobei die hygienischen Bedingungen da nicht dazu gehören) für ca. 19 Frauen. Dann gibt es noch zwei - wie nennt man die noch gleich - Plumpsklos (wie früher auf den Autobahnraststätten). Dazu kommt, dass es nicht gerade sauber ist. Mal sehen, ob mich das in zwei Monaten auch noch stört. Ans Plumpsklo hab ich mich schnell gewöhnt, das ist mir sogar lieber, als das andere (da wollt ihr euch nicht draufsetzen, glaubt mir!) Auch sind alle Decken und so voller Spinnweben (mann, bin ich froh über diese Hypnosesache, hihi, denn der Gedanke an deren Erzeuger halten mich nicht vom schlafen ab). 

8. Januar 2017

... von wegen, den 7. könnt ihr gleich streichen. Kim habe ich nicht getroffen, weil ich mich mit einem einheimischen Käfer herumgeschlagen habe - bin ja auch erst ein paar Tage hier 😬. Ob es wohl das herausgefischte Eis aus meinem Eistee war? Nur so viel, mein schrecklich schlechtes Gewissen hat mich dann heute nochmals zum Hafen geführt, um zu sehen, ob das Mädchen nochmals da ist. War sie leider nicht, aber dafür habe ich die Schwester getroffen - ja, ja, bevor ihr jetzt sagt, das könne ja jeder behaupten, die beiden gleichen sich wie aus dem Gesicht geschnitten und ich wusste es, bevor sie es sagte. Ich bat sie, ihre Schwester zu grüssen und dann gab ich ihr etwas Geld für sich und die Familie (die Schwester kriegt nämlich nächsten Monat ihr Kind - sie sah für mich selbst noch wie ein Kind aus, aber vielleicht täuscht das auch). Und ich habe ja gestern sonst kein Geld ausgegeben ... Ob sie es behalten kann, oder ob da ein Hintermann am Ende des Tages einkassiert? Wer weiss das schon.

6. Januar 2017

Heute bin ich so ungefähr gefühlte 1000 km gelaufen und das bei 300 Grad Hitze. Es waren viele, tolle Eindrücke dabei, besonders die Gebäude faszinieren mich immer wieder. Im Kolonialstil erbaut, während der Militärdiktatur vernachlässigt und heute immer noch bewohnt, hat man das Gefühl, einige könnten demnächst zerbröseln. Das Verkehrschaos, das in dieser Stadt herrscht, ist unbeschreiblich. Ich frag mich, wie viele Strassenverkehrsopfer es täglich gibt ... wobei, die einheimischen Fussgänger wissen schon, wie sie den Verkehr handhaben müssen. Also bremsen tut hier keiner, auch nicht, wenn man bereits mitten auf dem Fussgängerstreifen steht - was für eine Farbverschwendung! Und weiter habe ich mich gefragt, wie viele Tollwuttote es wohl jährlich gibt? Es gibt so viele streunende Hunde und jedesmal denke ich: Achtung, Tollwut! (Der Drill des Impfzentrums hat wohl gewirkt.) Für die Menschen hier hoffe ich, dass sie nie auf die Hilfe eines Ambulanzfahrzeugs angewiesen sind. Als ich heute am Yangon General Hospital vorbeispazierte, hatte ich die Möglichkeit, die Fahrzeuge und ihre Fahrer etwas genauer zu beobachten. Die fahrbaren Bahren verdienen ihren Namen nicht, denn ich glaube nicht, dass man sie herausziehen und damit ins Gebäude fahren kann. Einer der Wagen stand mit der Hecktür offen da und was sich darin befand, würde in meinen Rucksack passen: Eine grosse Sauerstoffflasche. Ob medizinisches Equipment separat von den Fahrern an Bord genommen wird, weiss ich natürlich nicht, in jedem Fall bezweifle ich, dass die Fahrer auch Sanitäter sind. Und selbst wenn, die Fahrzeuge sind so klein - vergleichbar mit einem Minibus ohne Rücksitze - da gibt es kaum Platz, um einen Patienten gross zu verarzten.
Wenn ich das nun so lese, klingt alles so negativ. So ist es keines Falls gemeint, aber es fallen halt zuerst die Dinge auf, die so ganz anders sind als wir es aus dem reichen Westeuropa kennen. Ich denke, das Beste hier sind die Menschen: freundlich und fröhlich, auch wenn die meisten wahrscheinlich ein einfaches Leben führen. Wobei, was heisst schon einfach? Das kommt immer auf die Perspektive an. 
Für morgen habe ich mich mit einem Mädchen, Kim, aus einem Dorf auf der anderen Seite des Yangon River verabredet. Ich fahre mit der Fähre über den Fluss und hoffe, sie wartet dort, um mir ihr Dorf und die Umgebung zu zeigen. Wir haben die Verabredung mit dem "Kleinen-Finger-Schwur" besiegelt ;-). Stay tuned ...
 

5. Januar 2017

17:30
Im Coffee Genius habe ich Zeit (also, nicht dass ich sonst keine hätte) und Gelegenheit was zu schreiben. Eine Besonderheit der Burmesen (und wahrscheinlich aller Buddhisten) ist die Regel, die Schuhe auszuziehen, wenn man ein Haus, Geschäft oder einen Tempel betritt. Diese Schuhregel gilt leider auch für die öffentlichen Duschen im Hotel - die im Übrigen eine Kombi aus Dusche und WC sind - also auch da keine Flip-Flops, iiihhgitt, am Besten nicht darüber nachdenken ;). 
10:00
Auf Tavefish.org konnte ich das Mysterium der durch Abwesenheit glänzenden Fahrradfahrer lüften: 
"For one, you may be shocked at how awful the traffic is; the poor roads are made worse by an old law that makes two-wheeled vehicles illegal in the city. That's right: an Asian city of nearly 5 million people does not allow motorbikes or bicycles to be legally ridden, though crazy foreigners seem to be exempt from the rule. Bicycle rentals are now possible but taxis rule as the dominant vehicle. Traditional trishaws eke out an existence and buses are packed with nervous commuters as privatised bus companies race each other to the next stop." https://www.travelfish.org/location/burma_myanmar/yangon_and_surrounds/yangon_region/yangon (5.1.17)

Es ist 6.10 Uhr - morgens, für die, die sich gerade gefragt haben - und ich bin bereits knapp eine Stunde hier. Wo ist hier, fragt ihr euch? Auf dem Plateau der Shwedagon Pagoda, der grössten buddhistischen Pagode Yangons. Man hat mir im Hotel gesagt, Sonnenaufgang sei um 5.30, also bin ich um 4.30 aufgestanden, denn bei Sonnenaufgang sei die Pagode am schönsten und die Stimmung am friedvollsten. Nur so viel, es herrscht hier regelrechte Rush-Hour, aber kein einziger Tourist weit und breit. Ausserdem habe ich dann doch noch meinen Freund Google gefragt, wann denn Sonnenaufgang sei - die Sonne wollte nämlich einfach nicht auftauchen - und der meinte, erst um 6.36. Eine Stunde zu früh 😱. Jetzt wirds aber langsam hell, ich muss Fotos machen gehen. Übrigens, das WLAN ist super hier (würde man ja nicht anders erwarten, dass man sich zum grössten Pilgerort der Stadt begeben muss, um an seinem Blog schreiben zu können. Und auch das mit Fotos hochladen klappt hier ;)).
Eigentlich hatte ich gestern Abend noch meine ersten Eindrücke zusammengeschrieben, aber dann hat mich das WLAN im Hotel im Stich gelassen und alles war weg, als ich's speichern wollte. Klappe, 2. Versuch: Das erste, das auffällt, sind die freundlichen Menschen. Die, die nicht Englisch sprechen, sind zwar etwas zurückhaltender, aber bisher sind mit nur überaus herzliche Menschen begegnet, die sich total freuen, wenn man mit wahrscheinlich schrecklicher Aussprache "chay-zoo-par" (danke) oder "mingala-par" (guten Tag) sagt. Die Männer tragen übrigens hier vorwiegend Röcke, allerdings lange, nicht so wie die Schotten und auch nicht mit Kniesocken dazu ... trotzdem habe ich mich gefragt, was sie wohl drunter tragen ... Fiona hat mich gefragt, ob es viele Fahrradfahrer gebe, so wie man das vielleicht von Vietnam kennt oder erwartet. Aber nein, jedenfalls die "Yangoner" gehen eher zu Fuss. Ist wahrscheinlich sicherer, da Auto- und Busfahrer ziemlich kamikazemässig unterwegs sind. Um die Strasse zu überqueren, habe ich mir schon den MO angewönt, immer in der Mitte einer Gruppe Einheimischer zu gehen, dann trifft es einen wenigstens nicht zuerst. An die Gerüche in den Strassen muss man sich auch erst gewöhnen. Der Duft frisch gebratenen Essens mischt sich mit Abwässern, Abfällen, Blüten und Räucherstäbchen. 

4. Januar 2017

So liebe Leute, nun bin ich also tatsächlich hier! Die Reise und den ersten halben Tag in Yangon habe ich bereits hinter mir. Ob ich diesen Blog und die Webseite weiterhin führen werde, steht zum jetztigen Zeitpunkt allerdings noch in den Sternen. Die App für diese Seite ist totaler Kackmist (sorry!) und man kann die Einträge nicht so bearbeiten wie über einen PC. Zudem ist das Hochladen der Fotos mit einer Wuzelbehandlung beim Zahnarzt vergleichbar ... nervtötend! Das liegt aber nicht am lokalen Netz, das ist sogar ziemlich gut. Wahrscheinlich ist es am Ende einfacher, die Fotos über Instagramm zu posten ... ich halte euch auf dem Laufenden.