Thailand

September 2017

Was bisher geschah: Nachdem sich Petra und ich in Jakarta am 9. August verabschiedet haben, bin ich über Bangkok nach Mae Sot geflogen. Dort habe ich mich drei Tage im schönen Ban Thai Guesthouse einquartiert, um mich mental auf Myanmar vorzubereiten. Am 12. August habe ich dann die Grenze überquert und bin die 165 km nach Hpa-an gefahren. Ich hatte Glück, es hat gerade nicht geregnet und die Strasse war besser als erwartet. Ihr müsst euch schlechte Strassen vorstellen, mit unbefestigten Fahrbahnrändern, die bei starkem Regen überschwemmt und abgetragen werden. Aber alles war dafür so grün und überall erfreuten sich die Tiere am Leben der Natur. In der Schule habe ich dann wieder fünf Wochen in der Bambushütte gelebt und sie mit allerlei Krabbelviechern geteilt, mehr als bei Trockenzeit ... Ich erspare euch die Details, ich sag nur pfui. Aber ich bin ja sowieso nur wegen der Studenten zurückgekommen und nicht wegen der tollen Wohnbedingungen. Die fünf Wochen sind wie im Flug vergangen, waren aber auch sehr intensiv. Abgereist bin ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Meine Studenten diesmal für unbestimmt lange Zeit zu verlassen, war wirklich traurig. Andererseits habe ich mich auch sehr aufs Weiterreisen, und ja, auf bessere Wohnbedingungen gefreut. Am 20. September bin ich also die Strecke wieder zurückgefahren. Und weil es schon beinahe Tradition geworden ist, habe ich wieder für drei Nächste im Ban Thai Halt gemacht. Meine erste Tat war alles auszupacken, zu waschen, zu trockenen oder auszulüften. Trockene Sachen zum Anziehen? Kleidung und Bettwäsche, die nicht müffeln? Das nenne ich wahren Luxus. Mae Sot ist für mich zum Inbegriff der Zivilisation geworden, selbst wenn es vergleichsweise ein kleines Städtchen am äussersten Rande Thailands ist.

21. - 23. September 2017, Sukhothai

Von Mae Sot aus ging es dann mit dem Minibus in drei Stunden weiter nach Sukhothai, bekannt für seine wunderbar erhaltenen Khmer-Tempel. Und es hat sich allemal gelohnt. Nirgends habe ich bisher so nette und freundliche Leute in Thailand getroffen, man hatte den Eindruck, als ob sie sich noch freuen, Ausländer zu sehen. Ich hoffe, das hält noch etwas an. Abgestiegen bin ich das allererste Mal in einem Mehrbettzimmer ... und ratet mal, was passiert ist? Ich hatte das ganze Zimmer für mich und auch den Pool musste ich nicht ein einziges Mal teilen. Glückspilz. Vom Guesthouse war es per Fahrrad ca. einen Kilometer zum Parkeingang und auch danach konnte man mit dem Fahrrad durch den Park fahren, um die Ruinen zu besichtigen. Zum Glück war es am Morgen noch recht bewölkt, sonst wäre es bald schon zu heiss gewesen, selbst im Schneckentempo. Ich bin also bis zum frühen Nachmittag rumgeradelt und habe versucht, den Schulklassen und chinesischen Touristenbussen aus dem Weg zu gehen. Am Nachmittag war Pool angesagt, wobei ich etwas zu viel Sonne getankt habe (im Schatten!) 

25. - 29. September 2017, Chiang Mai

Chiang Mai, einst die Hauptstadt von Siam, ist in verschiedene Stadtteile aufgeteilt - das neue Chiang Mai und die Altstadt. Diese ist quadratisch, ca. 2,5 x 2,5 km und von einem Wassergraben umgeben - teilweise ist auch noch die alte Stadtmauer zu sehen. Innerhalb des Grabens verlaufen einige grössere Strassen, aber meistens sind es Soi (kleine Strassen oder Gassen), wo sich das alltägliche Leben der Bewohner abspielt. Chiang Mai ist ziemlich touristisch, zur Zeit ist es aber nicht so schlimm, man kann ihnen noch aus dem Weg gehen. Vor allem Chinesen - durch das nahe gelegene China - sind häufige Gäste. Die Thai haben sich dem sogar schon angepasst und viele sprechen neben Englisch auch Chinesisch. 
Gestern habe ich versucht, etwas Sightseeing zu machen, aber es war so heiss und irgendwie hatte ich nicht die Nerven für noch mehr Tempel. Also bin ich einfach spaziert und habe immer mal wieder in einem Café halt gemacht. Das Leben hier ist eher ruhig und viele Reisende oder Europäer, die sich niedergelassen haben, sind ein bisschen auf dem ewigen Hippie-Trip ;) Gerade sitze ich in einem Café namens Cat Shack (Katzenschuppen). Nachher geh' ich los, um ein paar Fotos zu machen, hatte gestern die Kamera vergessen und mit dem iPhone wird das einfach nichts mehr ...

Juni 2017

22. Juni 2017

Von den Menschen zum Land (bitte erst Eintrag vom 21. Juni lesen). Die Insel Ko Samui liegt im Thailändischen Golf und hat eine Fläche von 233 km2 (der Kanton Zug hat eine Fläche von 239 km2). "Ko" bedeutet übrigens Insel, daher auch die Namen Ko Pha Ngan, Ko Tao, Ko Phi Phi etc. Samui ist grössten teils von Sandstränden umgeben, die wohl berühmtesten sind Chaweng, Lamai, Bo Phut oder Bang Rak. Die ruhigeren und mit einer eher Backpacker-Klientel sind Mae Nam, Bang Po, Thon Krut oder Taling Ngam. Samuis Hauptverkehrsader ist eine Ringstrasse von 51 km Länge, die in Küstennähe um die Insel führt. Sobald man ins Inselinnere abzweigt, sind die Strassen nur noch gerade breit genug für ein Auto und führen in die Hügel der Insel. Die Strassen sind so steil (bis 45 Grad), dass man den Aufstieg ohne 4x4 eher lassen sollte. 
Samui war noch in den 70ern eine Fischerinsel bevor sie zu einem der grössten Touristenziele Thailands wurde. Eine interessante Anekdote ist die: viele Einheimische, die neben Fischerei von Landwirtschaft lebten, vererbten ihre Grundstücke im Landesinneren ihren Söhnen, da die für das weitere Bestehen und Einkommen der Familie sorgen sollten. Den Töchtern vermachten sie die "wertlosen" Grundstücke am Strand. Das war natürlich bevor klar war, dass sich Samui zum Touristenort entwickeln würde. Heute ist es so, dass die Grundstücke im Landesinneren nichts mehr wert sind und auch Landwirtschaft ist kein Einkommen mehr, von dem man leben kann. Die Grundstücke an der Küste hingegen sind heute Gold wert. 
Um ein Grundstück in Thailand zu erwerben braucht man eine Engelsgeduld und einen guten Anwalt, denn die Gesetze verbieten es, dass ein Ausländer mehr als 49 % eines Grundstückes besitzen darf. Das heisst, man muss einen thailändischen Partner haben. Der Geschäftspartner kann dann seinen Anteil an den Ausländer übertragen. Es ist jedoch meist nicht im Interesse eines Geschäftspartners, das zu tun. Das Szenario ist meistens so: Man besitzt also zu 49 % ein Grundstück, das man sowieso nur kaufen kann, wenn man ein Geschäft gründet. Darauf baut man ein Haus oder mehrere Häuser oder ein Hotel, etc. Man besitzt dann also Immobilien auf einem Grundstück, dass einem nicht zu 100 % gehört. Sollte z. B. das Hotel oder Restaurant nicht laufen, ist es fast unmöglich, die Immobilie loszuwerden, wenn das Land nicht dazugehört. Was man also braucht, ist ein Partner, der seinen Anteil und jeden Anspruch auf Mitbestimmung abtritt. Es gibt hier unzählige Geschichten von Ausländern, die auf Immobilien sitzen, die niemand will, weil das Land nicht dazugehört. 

21. Juni 2017

Eigentlich wollte ich hier die Zeit nutzen, um ganz viel zu schreiben. Das war der Plan. Darum habe ich mir einen schönen, ruhigen Ort in Bang Po - ein Strand im Norden Ko Samuis - ausgesucht. Tja, man sieht ja, was daraus geworden ist. Sean und seine Frau Deng, die zusammen die White Pearl Bungalows und Restaurant führen, haben mich sofort in ihre Familie und ihren Freundeskreis aufgenommen und es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht jemand vorbeikommt, um zu quatschen oder Pool zu spielen. Und wenn niemand kommt, dann nimmt Sean mich irgendwohin mit und die Tage verfliegen nur so ... Einkaufen, frühstücken gehen, Grillpartys, Live-Musik in Ian's Bar, ein Ausfährtchen hier und eins da und ganz viel Kaffee zwischendurch ... Ich komme zu gar nichts ;). Ursprünglich hatte ich nur sechs Nächte hier gebucht, aber dann entschlossen, mein Visum und meinen Aufenthalt noch zu verlängern. 
Ich habe hier so viele Leute kennengelernt wie seit Myanmar nicht mehr. Die Lebensgeschichten jedes einzelnen sind so spannend, man könnte direkt ein Buch darüber schreiben. Aber nicht jetzt, vielleicht später ...
Obwohl ich schon mehr als ein Monat in Thailand bin, habe ich ja nicht wirklich viel vom Land gesehen. Aber wie auch in Myanmar lernt man eine Kultur besser kennen, wenn man unter den Menschen lebt, oder zumindest nah dran. Ko Samui ist sicher nicht das Paradebeispiel für thailändische Gastfreundschaft, was sicher mit dem Massentourismus zusammenhängt. Mir würden die vielen Touristen auch auf den Wecker fallen. Aus meiner Perspektive muss man aber die Ausländer zumindest in zwei grosse Gruppen einteilen: die Ferientouristen oder Reisende und diejenigen, die sich hier niederlassen - und das sind enorm viele. Die meisten sind wohl Pensionäre, aber eben auch die klassischen Auswanderer. Nicht weit von Seans Bungalows befindet sich ein Restaurant, das von einem Deutschen aufgebaut und geführt wird, und der wurde in der Reality-Fernsehsendung "die Auswanderer" porträtiert. Von den Touristen, die auf die Insel kommen, ist ein grosser Teil wegen der thailändischen Frauen - oder Lady-Boys - hier. Das ist kein Witz, ich habe von verschiedenen Seiten Geschichten gehört und man kann sehen, dass Sex-Tourismus an der Tagesordnung ist. Man ist nicht in jedem Inselabschnitt gleichermassen damit konfrontiert; im Norden, Süden und Südwesten ist die Stimmung noch ursprünglich, also entspannt, mit langen einsamen Stränden und Rucksacktouristen. Die Ostküste hingegen ist ein einziger "Vergnügungspark", in dem sich eine Bar an die andere reiht und wo Girls - oder vielleicht sind es doch Boys? - dem geifernden Männervolk ihre Shows bieten. Und ja, das Klischee vom weissen, alternden Mann mit einer um Jahre jüngeren thailändischen Frau trifft wirklich zu. Natürlich sind nicht alle diese Konstellationen auf käuflicher Liebe aufgebaut. Oder vielleicht schon, aber nicht in der Art, wie wir vielleicht denken. So wie es aussieht, gelten hier einfach andere Werte. Die Aussicht auf eine gesicherte Zukunft mit einem zwar unattraktiven (natürlich sehr subjektiv), aber netten Mann, wiegt mehr als das äussere Erscheinungsbild. So wie es bei uns vor 100 Jahren vielleicht auch noch war. Allgemein wird hier viel offener mir Sexualität umgegangen als bei uns und auch die Lady-Boys sind ganz sichtbar Teil der Gesellschaft. Trotzdem denke ich, dass das vor allem mit dem Aspekt "Angebot und Nachfrage" zu tun hat. Denn wenn man thailändische Frauen beim Schwimmen antrifft, dann sind sie sehr bedeckt und tragen T-Shirt und Shorts und nicht einen Bikini. Für mich zeigt das, dass die Offenheit nicht kulturell bedingt ist, sondern durch das Geschäft mit Sex entstanden ist. Und das hinterlässt definitiv einen bitteren Nachgeschmack.

Mai 2017

23. Mai 2017

Ich sitze im Zug auf dem Rückweg von Kanchanaburi, bekannt für die Death Railway, die Todeseisenbahn, die im 2. Weltkrieg von alliierten Kriegsgefangenen sowie von unzähligen asiatischen Zwangsarbeitern unter den japanischen Besetzern gebaut wurde. Der Kriegsfilm "Die Brücke am Kwai" erzählt ein Teil dieser Ereignisse. Wenn man in Europa aufwächst, ist die Perspektive auf den 2. Weltkrieg immer "nur" der Holocaust, Deutschland, die SS, die Ostblockstaaten, Frankreich, vielleicht noch Pearl Harbour, aber die Ereignisse im Pazifik und Südostasien werden nur am Rande - wenn überhaupt - behandelt. Es war schockierend und gleichzeitig bereichernd, mehr über diese Seite der Geschichte zu erfahren. Die Brücke selbst war für mich nur eine Nebenerscheinung und ein schreckliches Touristenmagnet, die Museen und Friedhöfe, auf denen tausende Alliierte begraben liegen, waren hingegen wirklich sehenswert und informativ.

Zu einem etwas heitereren Thema: Während ich also hier im Zug sitze und der Kontrolleur mein Ticket knipst, Sinne ich so über seine Statur nach. Überall lese ich (und dachte es auch), dass die Thais so klein sind, dass man als westliche Frau kaum Kleidung findet, die passt, und dass westliche Männer keine Schuhe finden, da die Thai-Männer so kleine Füsse haben. Der Kontrolleur - und er ist bei weitem nicht der einzige - ist überhaupt nicht klein und feingliedrig. Ganz im Gegenteil habe ich bisher viele grosse Männer oder jedenfalls in durchschnittlich westlicher Grösse gesehen. Und auch bei den Frauen gibt es ebensoviele "normal" proportionierte oder sogar etwas voluminösere wie zierliche. Vielleicht ist es Zufall, aber ich sehen viel mehr westlich proportionierte Leute hier in Thailand als ich in Myanmar gesehen habe; dort sind die Leute wirklich klein. 

18. - 21. Mai 2017, Bangkok

Bangkok ist - es gibt keinen anderen Ausdruck - ein Megakoloss von Stadt. Wie bei anderen südostasiatischen Städten fasziniert mich das wirre Durcheinander von West und Ost in fast allen Dingen - hier ein Wolkenkratzer aus Glas und Stahl und daneben ein Tempel mit goldenen Dächern und Drachen. Thailand zählt ja angeblich zu den entwickelten Ländern und in vielen Bereichen ist es auch so: es gibt Spitzenmedizin, die Müllentsorgung funktioniert (meistens) und Abfallmanagement und Recycling sind keine Fremdwörter, Telefonie und Internet sind stabil und Speedy-Gonzalez-mässig, es gibt öffentliche Verkehrsmittel, die funktionieren und zuverlässig sind. All das hat Myanmar nicht, oder noch nicht, aber der Unterschied zwischen den sozialen Schichten ist dafür auch nicht so gross. Ja, klar, es gibt etliche Reiche in Myanmar - Militärs, Ex-Militärs, Regierungsangehörige. Aber die normale Bevölkerung lebt grundsätzlich ultra bescheiden. Es gibt eine kleine Gruppe, die zur oberen Mittelschicht gehört und die in den grossen Städten Yangon oder Mandalay leben. In Thailand hingegen habe ich das Gefühl, es gibt eine grössere, gut situierte Mittelschicht. Umso erschreckender ist dann der Anblick von Slums, die es in einigen Stadtteilen Bangkoks gibt. Sicher nicht zu vergleichen mit Indien, aber für uns dennoch unvorstellbare Lebensbedingungen. Eine solche Ansammlung von Blechbehausungen habe ich auf meinem Weg aus der Stadt raus gesehen, kurz nach dem Bahnhof Bangkok Noi. Die Hütten reichen bis fast and die Zugswaggons heran, man könnte sie aus dem Zug heraus berühren. Viele davon standen ausserdem in einem kloakeartigen Gewässer und der Ausdruck "in der Gosse" leben, wird einem vor Augen geführt. 

Ich glaube noch fest daran, dass die Thais freundliche Leute sind, allerdings habe ich in Bangkok in drei Tagen ebenso viele unfreundliche Leute getroffen wie in Myanmar in viereinhalb Monaten. Aber ich denke Bangkok ist kein Massstab, diese Touristenmassen würden mir auch auf den Wecker gehen. Besondere Schlitzohren scheinen ja Bangkoks Taxifahrer zu sein. Man hört und liest Geschichten, wie sie versuchen den unwissenden Fahrgast übers Ohr zu hauen, indem sie die Taxameter nicht einstellen und dann horrende Summen verlangen. Ich versuche sie zu meiden, aber als ich am Morgen zum Bahnhof wollte, war ein Taxi die praktischste Lösung. Im Guest House haben sie mir gesagt, dass ich maximal 100 Baht (CHF 2.80) bei einem ausgehandelten Preis zahlen darf. Ist ja Kinkerlitzchen, aber gut zu wissen. Der erste Fahrer, der mich auf der Strasse ansprach, wollte 300 Baht! Ich hab gelacht und bin weitergelaufen. Gleich darauf ist ein Taxi gefahren gekommen, dass mich aufgegabelt hat, und ich hab den Fahrer gebeten, den Taxameter anzustellen. Die Fahrt hat schliesslich 57 Baht, mit Tip 60 Baht gekostet.